Vermischtes

Naturkatastrophe Nach dem Erdbeben suchen Retter in der Türkei weiter nach Verschütteten / Zahl der Todesopfer auf 62 gestiegen

Helfer hoffen auf Wunder

Archivartikel

Izmir/Samos.Nach dem Erdbeben in der Ägäis mit zahlreichen Toten suchen Helfer in der türkischen Metropole Izmir weiter nach Überlebenden – doch die Hoffnung schwindet. Zugleich verbrachten Menschen, die nicht in ihre beschädigten Häuser zurückkehren konnten, die zweite Nacht in Folge in Notunterkünften. Auch auf der griechischen Insel Samos schliefen aus Angst vor Nachbeben viele Menschen erneut im Freien, in Autos und Zelten. Die türkische Katastrophenschutzbehörde Afad meldete auch am Sonntag weitere kleinere Nachbeben.

Mauer erschlägt Jugendliche

Nach 33 Stunden konnten die Helfer in Izmir einen 70-jährigen Mann aus den Trümmern ziehen, wie der Sender CNN Türk berichtete. Einsatzkräfte klatschten und jubelten, als der Mann zum Krankenwagen getragen wurde. „Es ist ein Wunder“, sagte ein Rettungshelfer dem Sender. Er sei besonders glücklich, weil er Geburtstag habe, fügte er hinzu. Die Rettung des 70-Jährigen habe das gesamte Einsatzteam zusätzlich motiviert.

Die Helfer bargen aber auch weitere Leichen. Nach offiziellen Angaben forderte das Beben in der Türkei bislang 62 Todesopfer, Hunderte Menschen wurden verletzt, acht sind auf der Intensivstation. Zwei Jugendliche wurden auf der griechischen Insel Samos von einer Mauer erschlagen. Der 17-jährige Schüler und seine 15 Jahre alte Freundin waren auf dem Nachhauseweg von dem Beben überrascht worden, in einer engen Gasse brach eine Mauer über ihnen zusammen. Man habe sie eng umschlungen gefunden, berichtete das griechische Boulevard-Blatt „To Proto Thema“. Am Sonntagmittag seien sie beerdigt worden. Das Auswärtige Amt hat bisher keine Hinweise darauf, dass unter den Toten und Verletzten Deutsche sein könnten.

Am stärksten war das Viertel Bayrakli der türkischen Millionenstadt Izmir betroffen. Mehrere Gebäude stürzten komplett ein. Hunderte Bauten wurden beschädigt, sagte Vize-Präsident Fuat Oktay am Sonntag. Zudem müssten 26 Gebäude eiligst abgerissen werden. Er warnte die Einwohner davor, in beschädigte Häuser zurückzukehren. Der Staatssender TRT zeigte ein mehrstöckiges Haus, das zur Seite gekippt war und mit Kränen abgestützt wurde. Die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht.

Oktay sagte weiter, Vereinsheime und Sporthallen stünden als Notunterkünfte zur Verfügung. Zudem seien 1500 Zelte errichtet worden, mehr als 2000 weitere sollen demnach folgen. Auch Container würden bereitgestellt. Der Bürgermeister von Izmir, Tunc Soyer, sagte, es würden Decken und Heizer ausgeteilt, weil in den nächsten Tagen kühlere Temperaturen erwartet werden. Schulen in Izmir wurden für eine Woche geschlossen.

Nach offiziellen Angaben suchten die Helfer auch am Sonntag an acht Gebäuden weiter nach Überlebenden. Immer wieder mahnten sie Einsatzkräfte zur Stille, um Stimmen hören zu können. Es spielten sich zahlreiche dramatische Szenen ab. In der Nacht zu Samstag wurde eine Frau nach fast zehn Stunden lebend aus den Trümmern eines siebenstöckigen Gebäudes gerettet, die zuvor mit Helfern telefonieren konnte.

Nach rund 23 Stunden bargen die Helfer am Samstag eine Frau mit ihren drei Kindern lebend aus einem achtstöckigen Gebäude. Nach Angaben von Gesundheitsminister Fahrettin Koca starb ein Kind, ein siebenjähriger Junge, die anderen würden weiter behandelt.

Gegenseitige Solidarität

Trotz der jüngst wieder verschärften politischen Spannungen ließ das Beben die Nachbarländer Türkei und Griechenland zunächst näher zusammenrücken. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatten am Freitagabend auf Twitter ihre gegenseitige Solidarität ausgedrückt.

Die Europäische Union und die Nato boten der Türkei und Griechenland Unterstützung an. Erdogan bedankte sich via Twitter für die weltweite Solidarität. dpa

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