Vermischtes

Indien Nach Vergewaltigung sollen Täter am Strang sterben

Henker wird als Held gefeiert

Archivartikel

Neu Delhi.Vor der Hinrichtung sollen die Seile mit zerdrückten Bananen eingerieben werden. Das soll sie glatt machen und den Tod beschleunigen. Von solch grausigen Details berichten gerade viele Medien in Indien. Es geht um die Vorbereitung des Todestags von vier Männern am 1. Februar. Sie haben vor mehr als sieben Jahren eine 23 Jahre alte Studentin in einem Bus so brutal vergewaltigt, dass sie zwei Wochen danach starb. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen und brannte sich in Indiens kollektives Gedächtnis ein. Er hat gezeigt, dass das Land ein Vergewaltigungsproblem hat.

Nach der Tat 2012 forderten Tausende auf den Straßen die sofortige Hinrichtung der sechs Männer. Das Urteil stand bald fest, aber die vier gingen jahrelang juristisch dagegen vor. Ein weiterer Täter war damals minderjährig und inzwischen wieder auf freiem Fuß und ein letzter wurde tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Am kommenden Samstag sollen nun die vier durch den Strang sterben – oder etwas später, falls sie weitere Begnadigungsversuche unternehmen. Und ihr Henker wird als Held gefeiert, gibt Reportern Interviews. Der indischen Presseagentur ANI sagte er, dass die Hinrichtung eine große Erleichterung fürs Land sein werde und spiegelt damit wider, was viele denken. Mit der Tötung schafft man irgendwie ein Problem aus der Welt, sie soll künftige Vergewaltiger abschrecken und das Leben für Frauen sicherer machen.

Viele Frauen schweigen

Die Wut der Leute nach der Gruppenvergewaltigung damals führte zu härteren Gesetzen gegen Vergewaltiger. Und Premierminister Narendra Modi kündigte in der Folge null Toleranz gegen Sexualstraftäter an. Trotzdem, so klagen indische Aktivistinnen, habe sich das Leben für Frauen seither nicht verändert. Neue offizielle Zahlen zeigen, dass im Land alle 15 Minuten eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigt wird. Dazu kommen weitere Opfer, die nie zur Polizei gehen. Auch heute noch schweigen viele Inderinnen lieber darüber.

Dass nun die Täter der Vergewaltigung von 2012 tatsächlich hingerichtet werden sollen, ist trotzdem speziell. Die Todesstrafe ist in Indien selten – zuletzt wurde 2015 ein Mann hingerichtet, der 1993 für einen der schlimmsten Terroranschläge der indischen Geschichte mit mehr als 200 Toten und Hunderten Verletzten verantwortlich war. dpa

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