Vermischtes

Mesut-Özil-Heirat Türkischer Präsident Erdogan als Trauzeuge bei Feier des prominenten Fußballers und Ex-Nationalspielers

Hochzeit mit politischer Brisanz

Archivartikel

Berlin/Istanbul.Die Sonne sank schon, als Mesut Özil (30) und seine Verlobte Amine Gülse (26) am Freitagabend für ihre Hochzeitsfeier in einem Luxushotel in Istanbul eintrafen. Zuerst besichtigten sie das Areal am Bosporus, wo das Fest ausgerichtet wurde. Dann liefen sie Hand in Hand durch die Lobby des Hotels, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete.

Das Hotel ist bekannt für seine Terrassen wenige Meter über dem Wasser, die einen schönen Blick auf Boote und Brücken bieten. Dort hatten schon Mitte der Woche Vorbereitungen für die Hochzeit begonnen. Auf dem hinteren Teil der Pool-Terrasse zum Bosporus hin wurde eine in Weiß gehaltene Bühne aufgebaut, mit wehenden weißen Schleiern, weißen und roten Blumen, großen, runden Tischen, Lüstern und einem Banner mit den Buchstaben „M“ und „A“ darauf. Der Bereich war später weiträumig abgesperrt.

Wer zur Hochzeit geladen war, blieb zunächst unklar – bis auf den wohl bekanntesten und umstrittensten Gast. Am frühen Abend stellten sich Sicherheitsleute mit dem Siegel der Präsidentschaft (Cumhurbaskanligi) auf der Kleidung auf dem Grundstück auf. Mehrere sagten auf die Frage nach dem Grund für die Sicherheitsvorkehrungen, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan erwartet werde. Auf dem Bosporus lagen derweil mindestens drei Boote der Küstenwache. Eine große Regierungskolonne parkte dann ab etwa 20 Uhr Ortszeit vor einem Seiteneingang. Man sah Erdogan aber nur kurz auf der Gartenterrasse, dann wieder Richtung Ausgang gehen. Etwa eine halbe Stunde nach Ankunft raste die Regierungskolonne wieder davon.

Brautpaar ruft zu Spenden auf

Die Zeit reichte offenbar aus, um Trauzeuge zu werden. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Auf einem Bild, das Anadolu zeigt, steht das Paar mit dem Präsidenten und seiner Frau auf einer gläsernen Empore vor dem Bosporus, Erdogan mit einem Mikrofon in der Hand. Erdogan habe auch Amine die Hochzeitsurkunde überreicht, berichtete Anadolu.

Im März hatte ein vom türkischen Präsidialbüro zur Verfügung gestelltes Foto angeblich gezeigt, wie Özil und Gülse dem türkischen Präsidenten eine Einladungskarte überreichen. Es war schon das zweite Foto, das Aufregung auslöste. Vor rund einem Jahr hatte Özil sich schon einmal mit Erdogan fotografieren lassen – und damals hatte das Bild eine Debatte über Integration und Rassismus entfacht und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erschüttert. Das Drama endete mit Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft und dem Satz: Wenn die Mannschaft gewinne, sei er Deutscher; wenn sie verliere, sei er Immigrant.

Am späten Donnerstagabend hatte Özil, der heute für Arsenal spielt, über soziale Medien bestätigt, dass er Amine Gülse am Freitag heiraten werde. Özil und Gülse, die Medienberichten zufolge in Schweden geboren und aufgewachsen ist und als Schauspielerin und Model arbeitet, sind angeblich seit 2017 ein Paar. Die Hochzeit sollte aber nicht nur für die beiden ein glücklicher Tag sein. Anlässlich der Trauung setzt sich das Paar für kranke Kinder, Hilfsbedürftige in der Türkei sowie Flüchtlinge in Syrien und der Türkei ein – und spannt dafür auch Freunde, Familie und Fans ein.

„Viele Fans haben mich oder meine engsten Freunde und Familie gefragt, was wir uns zur Hochzeit wünschen“, schrieb Özil in seiner Botschaft auf sozialen Medien. „Als Fußballer habe ich das große Privileg und Glück, dass es mir an nichts fehlt“, sagte er. Er rufe „alle, die etwas Gutes tun möchten und können“, dazu auf, wie er selbst den Verein Big Shoe zu unterstützen. Der setzt sich für kranke Kinder ein.

Die Organisation aus Wangen im Allgäu sammelt Geld für Ärzte, damit sie Kinder aus sozial benachteiligten Familien operieren können. Er selbst werde 1000 Operationen für hilfsbedürftige Kinder finanzieren, kündigte Özil an. Big Shoe bedankte sich in einem Facebook-Eintrag. Am Freitag dankte dann auch der Chef des türkischen Roten Halbmondes, Kerem Kinik, über Twitter bei Özil und Gülse für eine Essensspende: Mahlzeiten für 16 000 Bedürftige wurden demnach gespendet.