Vermischtes

ICE-Wagen in Brand geraten - Verspätungen bis Sonntag auch in Mannheim

Montabaur/Mannheim.Nach dem Brand eines ICE-Zuges im rheinland-pfälzischen Montabaur (Westerwald) kommt es noch mindestens über das gesamte Wochenende auch im Raum Mannheim zu teils erheblichen Verspätungen im Fernverkehr. Die Züge werden in dieser Zeit zwischen Köln und Frankfurt über Koblenz und Mainz umgeleitet und fahren deshalb bis zu 80 Minuten länger. Die Halte in Siegburg/Bonn, Montabaur und Limburg Süd entfallen. Reisende können von Montabaur mit dem Regionalzug nach Koblenz und dann weiter nach Köln fahren. Reisende von Limburg Süd können nach Limburg und von dort aus mit dem Regionalzug nach Frankfurt fahren.

Am Freitagmorgen hatte ein Feuer in einem ICE auf der Bahn-Schnellstrecke Frankfurt-Köln einen großen Rettungseinsatz ausgelöst und zur Sperrung einer der wichtigsten Schlagadern im deutschen Bahnverkehr geführt. Rettungskräfte brachten nach Angaben der Bundespolizei 510 Passagiere aus dem nahe dem rheinland-pfälzischen Dierdorf stehenden Zug. Laut Polizei erlitten fünf Menschen leichte Verletzungen. Die Ursache des Feuers war noch unklar. Die nahe Autobahn 3 musste wegen der starken Rauchentwicklung und des Feuerwehreinsatzes zeitweise vollgesperrt werden.

Auch Hubschrauber waren einem Sprecher der Bundespolizei zufolge vor Ort, "um einen Überblick zu bekommen vom Schadensort". Der ICE sei beschlagnahmt. Ein wesentlicher Teil der Ermittlungen werde nun sein, wann der Zug zuletzt in der Inspektion war und ob es irgendwelche Auffälligkeiten gab. Die Auswertung der Spuren und Ermittlungen zur Brandursache könnten mehrere Woche in Anspruch nehmen. Sie werden von der Bundespolizei und dem Eisenbahnbundesamt geführt. Ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung sagte: "Wir sind noch am Anfang unserer Unfallermittlungen."

Unter den Verletzten war laut Polizei eine Person, die sich beim Aussteigen am Sprunggelenk verletzte. Vier weitere Reisende hatten Kreislaufprobleme wegen der Aufregung. Alle Reisenden wurden in ein nahes Dorfgemeinschaftshaus gebracht, bis zum Mittag reisten alle weiter.

Ausgebrochen war das Feuer im ersten Waggon nach dem hinteren Triebwagen, dann sprang es auf das Zugende über. "Der Brand konnte sehr schnell eingedämmt werden und ist derzeit unter Kontrolle", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Es seien zunächst rund 250 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen, außerdem 50 Männer und Frauen des Sanitätsdienstes.

Kreisbrandinspektor Werner Böcking nannte es einen "sehr glücklichen Umstand", dass ein Mitarbeiter der Bundespolizei mit im Zug saß sowie weitere Angehörige von Hilfsorganisationen. Unter anderem sei ein Mitglied einer Flughafenfeuerwehr an Bord gewesen. "Die Leute waren sehr diszipliniert, sehr ruhig", sagte einer der Retter mit Blick auf die Passagiere. Außerdem habe man Glück gehabt mit dem Wetter - trocken und verhältnismäßig warm.

Bundespolizei-Sprecher Christian Altenhofen schilderte, sein uniformierter Kollege an Bord habe den Rauch bemerkt und die Rettung eingeleitet. Die Schwierigkeit sei unter anderem gewesen, dass der Zug noch an der Stromleitung hing. Der Bundespolizist habe um diese Gefahr gewusst und auch im Blick gehabt, dass in der Gegenrichtung noch Züge unterwegs sein könnten. Er habe die Menschen in einem bestimmten Korridor und in eine bestimmte Richtung aussteigen lassen.

Die Deutsche Bahn teilte am Nachmittag mit, dass sie den Reisenden des ICE 511 den Ticketpreis komplett erstatten und für beschädigtes Gepäck aufkommen werde. Zudem sei für alle Reisenden auf der Strecke Köln-Frankfurt/Main die Zugbindung für Spar- und Supersparpreise aufgehoben. "Darüber hinaus können Reisende, die ein Ticket für eine Fahrt mit Geltungstag bis einschließlich 19. Oktober 2018 auf dem betroffenen Streckenabschnitt erworben haben, dieses kostenlos zurückgeben", so ein Bahnsprecher. Für Fahrgäste aus dem betroffenen Zug sei die Sondernummer 08000 - 10 11 11 und die Email-Adresse: ice511@dbdialog.de geschaltet.

Offen war am Freitagnachmittag noch, wann die Schnellstrecke wieder freigegeben werden kann. "Wir müssen erstmal diesen relativ großen Ereignisort absuchen", sagte der Bundespolizeisprecher. Dann müsse das Wrack abgeschleppt werden, womöglich habe auch das Gleisbett Schaden genommen. Auf jeden Fall seien die Oberleitungen abgerissen.

Auf der A3 wurde im Verlauf des Vormittags die Fahrtrichtung Köln wieder freigegeben, später nach und nach auch zwei von drei Fahrstreifen Richtung Frankfurt. Die Unglücksstelle liegt in der Nähe der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen.

Erst Anfang August war es zu einer Sperrung auf der ICE-Strecke Köln-Frankfurt gekommen. Damals war zwischen Hennef (Sieg) und Troisdorf in Nordrhein-Westfalen ein Böschungsbrand ausgebrochen, hatte sich wegen der Dürre schnell ausgebreitet und sogar auf Häuser übergegriffen. Insgesamt wurden 32 Menschen verletzt, acht Gebäude teils massiv beschädigt. Die Löscharbeiten mit Hunderten Einsatzkräften dauerten Stunden. Erst am Morgen des Folgetages konnte die Strecke zumindest für den Fernverkehr wieder freigegeben werden.

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