Vermischtes

Interview Uwe Ochsenknecht über die Kliniksaga „Charité“, seine Rolle als Gynäkologe in der DDR und die Corona-Krise

„Ich wäre gerne Arzt geworden“

Berlin/Mannheim.Die Fernsehserie „Charité“ über das berühmte Berliner Krankenhaus schlägt mit Beginn der dritten Staffel das nächste Kapitel auf. Mit dabei: der in Mannheim aufgewachsene Schauspieler Uwe Ochsenknecht.

Herr Ochsenknecht, die neuen Folgen der Serie „Charité“ spielen zur Zeit des Mauerbaus vor 60 Jahren. Sie haben einen familiären Bezug zum Thema, denn Ihre Eltern sind 1950 aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt…

Ochsenknecht: Ich war beim Mauerbau 1961 zwar erst fünf Jahre alt, aber ich habe durchaus einige Erinnerungen an damals im Kopf. Es sind diese Szenen, die man auch aus Fernsehdokumentationen kennt, von Leuten, die von ihren Wohnungen in Sprungtücher springen, oder Menschen, die über Stacheldraht und Mauern ihren Verwandten zuwinken. Die ganze Verwandtschaft meiner Mutter lebte ja in der DDR, meine Tanten und Onkel und Nichten, insofern war das Thema bei uns daheim immer sehr präsent. Wir haben Care-Pakete rübergeschickt, die manchmal sogar ankamen, und im Sommer habe ich viele Ferien bei meiner Familie in der DDR verbracht.

In der dritten Staffel wird der Betrieb an der Berliner Charité durch den Mauerbau erheblich gestört. Welche Schwerpunkte setzt die Serie?

Ochsenknecht: Unter anderem, dass die Grenze zwischen Ost und West ja quasi mitten durch die Charité verlief. Wir erzählen, dass viele Ärzte und Krankenschwestern in den Tagen vor dem Mauerbau plötzlich nicht mehr zum Dienst erschienen sind, die waren in den Westen geflüchtet. Das Personal im Krankenhaus wurde immer stärker dezimiert, das war ein Riesenproblem. Außerdem hatte die Charité viele Medikamente wie zum Beispiel Penizillin aus dem Westen bezogen, das ging plötzlich nicht mehr – nach dem Bau der Mauer musste man versuchen, diese Substanzen aus der DDR oder der Sowjetunion zu beziehen.

Sie spielen eine der Hauptrollen, einen Gynäkologen. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ochsenknecht: Wissen Sie, ich habe ja vier Kinder und war jedes Mal bei der Geburt dabei, dadurch hatte ich genug Vorbildung. Es gibt ja manche Männer, die trauen sich nicht, dabei zu sein, wenn ihr Kind auf die Welt kommt. Aber eine Geburt ist doch ein Phänomen, da sieht man das wahre Wunder. Und vor allem gewinnt man höchsten Respekt vor den Frauen, die Kinder gebären – jeder Mann würde ja sterben bei so was.

Der von Ihnen verkörperte Gynäkologe Helmut Kraatz ist eine historische Figur. Was muss man über den Mann wissen?

Ochsenknecht: Kraatz war einer der führenden Köpfe in seinem Beruf als Gynäkologe. Er war auch einer der Ersten, der sich um Menschen bemüht hat, die zweigeschlechtlich auf die Welt gekommen sind, also zum Beispiel mit den äußeren Geschlechtsmerkmalen eines Mannes und den inneren einer Frau, das thematisieren wir in der dritten Staffel auch. Er war der Erste, der sich psychisch und physisch um sie gekümmert hat und sie auch operiert hat, wenn das nötig war.

Interessieren Sie sich für Medizin?

Ochsenknecht: Ich habe mich immer für Medizin interessiert und wäre auch gerne Arzt geworden. Aber nicht im Bereich Frauenheilkunde, auch Chirurg wäre nicht so meins gewesen. Also nicht das Reparieren, sondern eher das Instandhalten. Naturmedizin finde ich ein spannendes Thema. Grundsätzlich finde ich die Physiologie des Menschen faszinierend. Man schneidet sich mit dem Messer, und ein paar Wochen später sieht man nicht mal mehr eine Narbe, wenn es nicht genäht werden musste – das ist doch toll.

Gehen Sie lieber zu männlichen oder weiblichen Ärzten?

Ochsenknecht: Ich sehe da keinen grundsätzlichen Unterschied – anders als in der Politik. Frauen haben, glaube ich, nicht so diesen Machttrieb wie Männer, müssen nicht immer beweisen, wie stark sie sind, sind ein bisschen sensibler als Männer. In der Medizin spielt das in meinen Augen keine so große Rolle – aber ich finde es prinzipiell schlimm, dass sich die niedergelassenen Ärzte so wenig Zeit nehmen für Patienten. Dabei ist es ja wissenschaftlich erwiesen, dass allein das Gespräch mit dem Arzt schon zur Heilung beiträgt. Aber der Zusammenhang zwischen Körper und Seele wird total vernachlässigt. Leider geht’s da immer wieder ums Geld und nicht die Gesundheit der Patienten.

In der Corona-Krise werden Mediziner und Pflegekräfte ja gerade als Helden unserer Zeit gefeiert…

Ochsenknecht: Aber es herrscht doch schon länger ein riesiges Manko beim Pflegepersonal, das wird durch die Krise jetzt erst sichtbar. Es ist eine Schande, dass diese Menschen sich für einen Hungerlohn um die Patienten kümmern müssen. In einem Beruf, wo es um Leben und Tod gehen kann. Ich denke, es gäbe mehr Personal, wenn dieser Beruf besser bezahlt werden würde. Da wäre doch wohl ein Spitzenlohn angebracht. Jetzt werden sie als Helden gefeiert, und man applaudiert ihnen, aber ihre Situation wird dadurch auch nicht besser.

Die Charité spielt im Kampf gegen Corona eine zentrale Rolle – gedreht wurde dort aber nicht?

Ochsenknecht: Nein, das ist unmöglich, es wurde alles in Prag gedreht, in ehemaligen Krankenhäusern und Klöstern. Wir hatten großes Glück und waren im Frühjahr eine Woche vor dem totalen Lockdown fertig mit den Dreharbeiten. Mit der Serie „Ku’damm“, in der ich auch mitspiele, hatte ich weniger Glück, da mussten wir die dritte Staffel unterbrechen und konnten sie erst im August fertig drehen.

Und wie geht es Ihrer Bar auf Mallorca in der Krise?

Ochsenknecht: Der geht es wunderbar. Wir haben am Ende der Urlaubssaison sogar länger aufgelassen, als wir es uns eigentlich leisten wollten – das haben wir gemacht, damit im Dorf noch ein bisschen Leben ist. Wir haben nicht nur kein Geschäft gemacht, sondern sogar etwas draufgelegt, und zwar gerne. Wir haben es für die Menschen gemacht, damit die auch einen Treffpunkt haben, ein bisschen normales Leben in dieser Zeit genießen können und von dem ganzen Wahnsinn abgelenkt sind.

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