Vermischtes

Kriminalität Razzia in fünf Bundesländern wegen Verdacht auf verbotenes Hawala-System / Hausdurchsuchung auch in Mannheim

Illegale Geldtransfers

Archivartikel

Düsseldorf/Mannheim.Das Juweliergeschäft in der Duisburger Innenstadt ist auch Stunden nach Beginn einer bundesweiten Razzia gegen illegale Geldtransfers mit Flatterband abgesperrt. Polizisten einer Hundertschaft sichern den Laden. Auf einem Schaufenster steht „Altgold Ankauf“. Gleich in fünf Bundesländern und den Niederlanden sind Polizisten und Steuerfahnder am Dienstag gegen mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung vorgegangen. Sie sollen ein verbotenes Hawala-System für Geldtransfers installiert und betrieben haben.

Am Nachmittag werden auch in der Mannheimer Innenstadt zahlreiche Kisten aus einem Gebäude getragen und abtransportiert. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich um eine Hausdurchsuchung im Auftrag des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf will auf Nachfrage einen konkreten Zusammenhang zwischen der Mannheimer Hausdurchsuchung mit den aktuellen Ermittlungen um das Hawala-System weder bestätigen noch dementieren.

Laut Pressemitteilung richtet sich der Verdacht gegen 27 Personen im Alter zwischen 23 und 61 Jahren. Sie sollen am legalen Bankensystem vorbei Millionen von Euro aus Deutschland in andere Länder geschickt haben. Insgesamt 62 Objekte wurden in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg sowie in den Niederlanden durchsucht. Die Behörden machten zunächst keine näheren Angaben zu der Razzia.

Überweisungen in die Türkei

Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR lag der Schwerpunkt der Durchsuchungen in NRW. Der Hauptverdächtige soll demnach aus Duisburg kommen und dort einen Metallhandel führen. Die illegalen Überweisungen sollen ohne die nötige Banklizenz vor allem in die Türkei geflossen sein. Es gehe insgesamt um mehr als 200 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Razzia liege im Großraum Duisburg, wo unter anderem Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen durchsucht wurden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag lediglich, dass das Geld unter anderem in die Türkei transferiert worden sein soll.

Gegen 6 der 27 Beschuldigten lägen Haftbefehle vor, erklärte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA). Sie seien teilweise vollstreckt worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Dabei kamen auch Spezialkräfte zum Einsatz. Bei dem transferierten Geld handele es sich um mutmaßlich illegal erworbenes Vermögen, so das LKA. Woher es im Einzelnen stammen könnte, wurde zunächst nicht bekannt.

Geldtransfers über das Hawala-System müssten „nicht per se einen kriminalistisch relevanten Hintergrund haben“, betont das LKA NRW in seinem jüngsten Lagebild zur Clankriminalität. Aber auch Angehörige „türkisch-arabischstämmiger Familienclans“ nutzten das System zur Vermögenssicherung und Geldwäsche.

Haftstrafen bis zu fünf Jahren

Solche Finanztransfergeschäfte brauchen in Deutschland eine Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin. Bei unerlaubtem Betrieb drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Wie viel Geld aus Deutschland über Hawala-Kanäle überwiesen wird, ist nicht bekannt. „Wir erfahren ja nur von Fällen, auf die wir einen Hinweis bekommen haben“, sagte ein Behördensprecher.

Die Finanzaufsicht ist im vergangenen Jahr in insgesamt 87 Fällen gegen unerlaubte Bankgeschäfte eingeschritten, so häufig wie nie zuvor. Der geschätzte Schaden belaufe sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Wie oft es sich dabei um Hawala-Transfers handelt, kann die Bafin nicht sagen. An den Durchsuchungen am Dienstag waren mehr als 850 Polizisten beteiligt.

Zum Thema