Vermischtes

Wetter Aggressive Schwimmbadbesucher sorgen immer häufiger für Polizeieinsätze

In Freibädern kochen die Emotionen über

Archivartikel

Düsseldorf/Mannheim.Eigentlich verspricht ein Freibadbesuch Abkühlung, doch in jüngster Zeit scheint sich die Stimmung dort schnell aufzuheizen. Im Düsseldorfer Rheinbad kam es am Samstag zu einem Massenstreit. Die Polizei rückte mit Dutzenden Beamten an.

Im Bad bot sich ihnen folgendes Bild: Ein Vater steht schützend vor seiner Familie, umgeben von Hunderten junger Männer, die ihn anschreien. Wie verlautet, haben sich zuvor einige junge Männer daneben benommen und sind über Decken und Badegäste gesprungen. Als sich ihnen daraufhin der Familienvater entgegenstellt, schlagen sich viele andere junge Männer auf die Seite der Unruhestifter.

Die Polizei fordert Verstärkung an, versucht, die Kontrahenten zu beruhigen. Getränkekartons fliegen in Richtung der Einsatzkräfte, die Polizisten setzen Pfefferspray ein. Die Familie wird aus dem Bad begleitet. Der Betreiber hält es für ratsam, das ganze Bad vorzeitig zu schließen. Ein renitenter Badegast wird kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Verletzte in Mannheim

Die Ereignisse in Düsseldorf sind nur der spektakulärste von mehreren Freibad-Vorfällen der vergangenen Tage. Im Mannheimer Herzogenriedbad versprühte ein Mann am Samstag bei einem Familienstreit Pfefferspray. Fünf Menschen, darunter zwei Kinder, erlitten leichte Verletzungen. In einem Stuttgarter Freibad ist am Sonntag ein Streit zwischen Badegästen und Personal eskaliert: Zeitweise widersetzten sich 50 Menschen der Polizei. Zu Beginn der Auseinandersetzung weigerten sich laut Polizei am Samstagabend drei Jugendliche im Alter von 15, 16 und 17 Jahren, das Bad zu verlassen. Daraufhin riefen die Bademeister die Polizei.

Als die Beamten die Personalien des Trios aufnehmen wollten, wurden sie von anderen Badegästen gestört. Wegen Handgreiflichkeiten zwischen einem 36-Jährigen und zwei Bademeistern setzte die Polizei Pfefferspray ein. Bei dem Einsatz wurde ein Polizist leicht verletzt. In einem Bad in Essen attackierte eine Gruppe junger Männer am vergangenen Montag zwei Bademeister und ein junges Mädchen. Die Stadt verdoppelte daraufhin die Zahl der Sicherheitsleute in dem Bad.

In Raunheim (Hessen) kam es am Mittwoch vor einem überfüllten Badesee zu Ausschreitungen. Wegen starken Andrangs war der Einlass vorläufig geschlossen worden. Daraufhin versuchten nach Polizei-Angaben etwa 200 Leute gewaltsam, auf das Gelände vorzudringen. Wartende warfen Steine und beschimpften die Sicherheitskräfte.

„Das ist schon erschreckend“

Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt schon seit längerem eine zunehmende Aggressivität in Freibädern. „Ich bin jetzt 45 Jahre im Job“, sagt Verbandspräsident Peter Harzheim. „Man hat sicherlich einiges erlebt, aber was sich in den letzten 40 Jahren getan hat, ist doch erschreckend. Das Wort ,Respekt’ hatte früher eine ganz andere Bedeutung als heute.“ In den vergangenen zehn bis 20 Jahren habe sich das gründlich geändert.

Jetzt bekomme man Sprüche zu hören wie „Alter, was willste?“ Eltern lebten ihren Kindern häufig vor, dass sie sich nichts gefallen lassen müssten. Dazu kämen kulturelle Unterschiede, etwa im Umgang mit Frauen. Christian Ochsenbauer von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen bestätigt die Darstellung: Das Thema Aggressivität schlage derzeit hohe Wellen, sagt er. „Ich kann den Verband Deutscher Schwimmmeister nur darin unterstützen, dass härter durchgegriffen werden muss.“