Vermischtes

Unwetter Mehr als 170 Tote nach schweren Regenfällen lösen Debatte über Sicherheitspläne aus

Japan hadert mit Schutz vor Naturgewalten

Tokio.Tagelang strömte es vom Himmel, fast pausenlos, aus Straßen machte der Regen Bäche und aus Häusern Inseln. Nachdem es eine halbe Woche durchgängig gegossen hatte, sagte Premierminister Shinzo Abe seine wichtige Reise nach Europa ab, wo er eigentlich einen seit Jahren geplanten Handelsvertrag mit der EU unterzeichnen sollte. Stattdessen wurden alle Kräfte daheim mobilisiert, um den Westen Japans vor noch größerem Unheil zu bewahren.

„Am besten vorbereitet“

Eine Woche nach Beginn der Regenfälle am Donnerstag vergangener Woche gab es schon mehr als 170 Tode zu vermelden. Außerhalb der ostasiatischen Industrie- und Hochtechnologienation fragen mittlerweile viele Stimmen: Wie kann ein Unwetter ausgerechnet in Japan derartige Verwüstung anrichten? Müsste ein reiches Land, das regelmäßig mit Naturkatastrophen zu kämpfen hat, nicht so gut vorbereitet sein, dass höchstens finanzielle Schäden zu verbuchen wären?

Im Widerspruch zu solchen Eindrücken steht ein Urteil von der World Meteorological Organization (WMO), der internationalen Vereinigung von Wetter- und Katastrophenschutzexperten: „Japan ist von allen Ländern der Welt am besten vorbereitet, wenn es darum geht, das Katastrophenrisiko zu minimieren und auf Katastrophen zu reagieren“, befand WMO-Sprecherin Clare Nullis Anfang dieser Woche. Was die Regenfälle der letzten Tage nämlich wirklich aussagten: „Die Höhe der Opferzahlen ist ein Anzeichen dafür, wie schwer die Katastrophe war.“ In jedem anderen Land wären wohl deutlich mehr Menschen gestorben. In einigen Regionen wurden die stärksten Niederschläge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen.

Unter Experten gilt Japan als Vorbild, was die Antwort auf Desaster wie das aktuelle Unwetter angeht. Der US-amerikanische Think Tank Brookings Institution forderte schon nach dem Erdbeben und Tsunami im März 2011, wodurch fast 20 000 Menschen starben, dass das Land fortan der Welt beibringe, wie man auf Katastrophen reagiert. „2011 hatte Japans Regierung längst Regeln für Hilfe aus dem Ausland sowie alle möglichen Zuständigkeiten aufgestellt. So musste im Notfall nicht erst überlegt werden.“

75 000 Helfer im Einsatz

Von zentraler Bedeutung ist die von Premierminister Abe aktivierte Task Force, die mehrere Ministerien umspannt und schon über das Wochenende der Regenfälle 75 000 Hilfskräfte aus dem ganzen Land auf die betroffenen Regionen konzentrierte, von Polizei über Feuerwehr bis hin zu den Selbstverteidigungskräften und der Küstenwache. 80 Helikopter waren im Einsatz, Listen mit freiwilligen Helfern wurden angefertigt, die hinzukommen sollten, sobald die erste Gefahr gebannt wäre.

Beim aktuellen Unwetter waren vergleichsweise hohe Zahlen an Todesopfern vor allem dort zu vermelden, wo Menschen entgegen den Evakuierungsanordnungen zuhause blieben. So ist diesmal, trotz der vergleichsweise erfolgreichen Rettungen, eine Debatte darüber losgebrochen, ob man gut vorbereitet war. Lokalregierungen wollen nun Mitarbeiter von Haus zu Haus schicken, um Vorschläge für besseren Katastrophenschutz einzuholen.