Vermischtes

Studie Große Qualitätsunterschiede zwischen Pflegeheimen

Jeder Zehnte liegt sich wund

Archivartikel

Berlin.Bei der Gesundheitsversorgung in Pflegeheimen gibt es laut einer Studie erhebliche Qualitätsunterschiede. Problematisch sind teils zu viele wund gelegene Patienten, längere Verordnungen kritischer Medikamente und häufige Krankenhaus-Einweisungen. Das ergab eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt

Bei Druckgeschwüren (Dekubitus), die besonders Bettlägerige bekommen können, gab es demnach im auffälligsten Viertel der Heime jährlich zwölf neue Fälle pro 100 Bewohner – beim besten Viertel waren es nur bis zu vier Fälle. Diese großen Unterschiede seien auffällig, auch wenn es in manchen Einrichtungen mehr Risikopatienten gebe. Dort seien stärkere Vorkehrungen nötig, um ein Wundliegen zu vermeiden. Für die Qualitätsmessung wurden anonymisierte Abrechnungsdaten zu 232 000 AOK-Versicherten aus 5600 Heimen von 2015 ausgewertet. Dies entspricht demnach etwa der Hälfte der deutschen Heime und knapp einem Drittel der stationär Pflegebedürftigen über 60 Jahre. „Wichtig ist, dass wir auch die uns bekannten Probleme bei der gesundheitlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern aufgreifen und nicht nur die Pflege im engeren Sinne beleuchten“, sagte WIdO-Pflegeforscherin Antje Schwinger.

Problematisch sind laut Studie auch Psychopharmaka, die eher nicht dauerhaft verabreicht werden sollten. Im auffälligsten Viertel der Heime bekam demnach statistisch betrachtet jeder Bewohner mit Demenz in zwei Quartalen eine Verordnung für ein Antipsychotikum. Diese Rate liege um das 1,5-Fache höher als im besten Viertel der Heime.

Unterschiede bei Einweisungen

Unterschiede gibt es auch bei Einweisungen ins Krankenhaus, die vor allem für ältere Heimbewohner Risiken mit sich bringen können – etwa Belastungen durch ungewohnte Umgebung und unbekanntes Personal. Laut Studie gab es im auffälligsten Viertel der Heime 42 womöglich teils vermeidbare Einweisungen pro 100 Bewohner im Jahr. Im besten Viertel der Heime waren es 22.