Vermischtes

Ernährung Knapp 13 Prozent der 15- bis 29-Jährigen verzichten einer Umfrage zufolge auf Fleisch

Jüngere leben öfter vegetarisch

Berlin.Die globale Fleischproduktion ist 2019 zum ersten Mal seit 1961 nicht gewachsen, sondern um zwei Prozent auf 325 Millionen Tonnen gesunken. Wer nun glaubt, der Grund dafür sei, dass Konsumentinnen und Konsumenten durch Skandale und Missstände um Gammelfleisch, Massentierhaltung und Hygienemängel aufgerüttelt wurden, irrt. Für den Rückgang verantwortlich war stattdessen der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest.

Offenbar führte die Tierseuche allein in China, also dem Staat mit dem größten Fleischkonsum weltweit, dazu, dass die Fleischproduktion um zehn Prozent einbrach. Das belegen Zahlen, die im aktuellen Fleischatlas, einer gemeinsamen Veröffentlichung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde Diplomatique, veröffentlicht wurden.

Auf 52 Seiten haben Forscherinnen und Forscher zum achten Mal Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel zusammengetragen. Wobei ihr Fokus diesmal auf den Themen Jugend, Klima und Ernährung lag. Interessiert habe die Verfasserinnen und Verfasser insbesondere, wie die jüngere Generation mit ihrem Engagement gegen die Klimakrise die „Beharrungskräfte der Fleischindustrie“ erlebt. Dafür wurden 1227 junge Deutsche im Alter von 15 bis 29 Jahren per Onlineumfrage über ihren Konsum tierischer Produkte befragt.

Klimaschutz als Motivation

Die Ergebnisse zeigen: Fleischverzicht liegt im Trend. 10,4 Prozent der Befragten ernähren sich demnach vegetarisch, 2,3 Prozent sogar vegan. Letztere verzichten also komplett auf tierische Lebensmittel, darunter auch Honig, Ei oder Milch. Insgesamt gaben knapp 13 Prozent der Befragten an, Fleisch zu entsagen.

Nach Angaben der Autoren entspricht das rund doppelt so vielen Menschen wie in der Gesamtbevölkerung. Doch auch deren Ernährungsgewohnheiten scheinen sich zu verändern. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl der Vegetarier und Veganer hierzulande noch bei 4,3 Prozent. Heute liegt sie nach verschiedenen Studien bei etwa sechs Prozent. „Dass der Fleischverbrauch in Deutschland leicht zurückgeht, ist erst einmal positiv. Nur geschieht das noch nicht in dem Maße, in dem es notwendig wäre“, sagt der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt dieser Redaktion.

Den global steigenden Fleischkonsum empfinde er als bedrohlich. Besonders im Hinblick auf die ebenfalls wachsende Weltbevölkerung. Demnach würde derzeit zu viel Fläche für Futtermittel und Weidehaltung gebraucht. „Und diese Tatsache wird kaum politisch thematisiert“, so Bandt.

Für junge Vegetarier und Veganer ist Fleisch- oder Nicht-Fleischkonsum ein politisches Thema. Diese leben laut Fleischatlas nämlich nicht nur deutlich nachhaltigkeitsorientierter, sondern sehen sich selbst gar als Pioniergruppe eines zukunftsfähigen Ernährungsstils. Entscheidend zu dieser Einstellung beigetragen habe nicht zuletzt die Klimabewegung „Fridays for Future“. Deren Anhängerinnen und Anhänger machen sich für möglichst umfassende und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen stark. Offenbar reicht es den zumeist jungen Mitstreitern und Mitstreiterinnen um die schwedische Klimaktivistin Greta Thunberg aber längst nicht, nur Forderungen an die Politik zu stellen.

Viele haben erst 2019 umgestellt

Durch den Verzicht oder zumindest die Reduktion ihres Fleischkonsums bemühen sie sich auch im Privaten darum, der Klimakrise Einhalt zu gebieten. Rund ein Drittel derjenigen, die angaben, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, hätten ihre Essgewohnheiten demnach erst 2019 auf fleischfrei umgestellt. Also in dem Jahr, in dem die deutschlandweiten Demonstrationen der Bewegung ihren Höhepunkt erreichten. Tatsächlich, das betonen auch die Autoren des Fleischatlas, können Klima und Biodiversität nur dann geschützt werden, wenn die Industrieländer ihren Fleischkonsum mindestens halbieren.

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