Vermischtes

USA Seit Anfang des Jahres wüten immer wieder unkontrollierte Brände in dem Bundesstaat

Kalifornien kämpft gegen rasende Feuer

Los Angeles.Rick Travis versuchte mehr als einmal, die Kontrollpunkte der Feuerwehr in Lake County zu umfahren. Während andere Einwohner zurück durften, musste Travis wichtige Papiere, Fotoalben und Medikamente ihrem Schicksal überlassen. Sein Haus steht in der Gefahrenzone des massiven „Mendocino Complex“-Feuers, das in nur zwölf Tagen eine Fläche von rund 300 000 Fußballfeldern im Norden Kaliforniens zerstört hat. „Die haben mich nicht durchgelassen“, klagt der Mann gegenüber einem Reporter vor Ort, während Rauchschwaden den Blick vernebeln.

Wegen der hohen Belastung für die Atemwege haben die Behörden Schutzmasken verteilt. Derweil versuchen mehrere tausend Feuerwehrleute mit Unterstützung von Kameraden aus allen Teilen der USA, Australien und Neuseeland den größten einzelnen Flächenbrand in der Geschichte des Bundesstaates einzudämmen. Der Erfolg hält sich bisher in Grenzen. Das Feuer ist nicht einmal zu etwas mehr als einem Drittel unter Kontrolle. Technisch betrachtet besteht das „Mendocino-Complex“-Feuer aus zwei Flächenbränden, die wenige Kilometer voneinander ihren Ursprung hatten und nun ein Gebiet von der Ausdehnung des Stadtgebiets von Los Angeles in eine flammende Hölle verwandelt haben. Insgesamt bekämpfen die Katastrophenhelfer zurzeit 17 Großbrände in Kalifornien, die insgesamt eine Fläche von rund 250 000 Hektar bedrohen. 34 000 Einheimische, die wie Travis in den Gefahrenzonen leben, mussten ihre Häuser verlassen. Mindestens sieben kamen in den Flammen ums Leben. Betroffen ist auch der Tourismus des Bundesstaates. Besucher kommen nur noch an einer Stelle in den Yosemite Nationalpark, dessen anderen Eingänge wegen der Feuer geschlossen sind.

Trump beschuldigt Aktivisten

Die Beamten der Brandschutzbehörde „Cal Fire“ zählten seit Anfang 2018 genau 4723 unkontrollierte Lauffeuer. Diese haben eine 40 mal so große Fläche erfasst wie im Durchschnitt der vergangen fünf Jahre. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen unter den Feuerwehrleuten die Faustformel galt, dass sie am Tag ausgebrochene Brände bis zum nächsten Morgen um 10 Uhr unter Kontrolle haben. Symbolisch für die Erderwärmung steht das Death Valley in Kalifornien, das mit einer Durchschnittstemperatur im Juli von 42,3 Grad Celsius der heißeste Ort der Welt war. US-Präsident Donald Trump zeigt mit dem Finger auf „radikale Umweltschützer“, die er für diese Entwicklung verantwortlich macht. Diese hätten verhindert, dass „die Wälder aktiv bewirtschaftet werden“. Es sei an der Zeit „Bäume zu fällen, um die Verbreitung der Feuer zu stoppen“. Trump behauptet auch, wegen des Artenschutzes werde Wasser für die Brandbekämpfung zurückgehalten. „Wir haben mehr als genug Wasser“, weist ein Sprecher der kalifornischen Regierung den Vorwurf zurück. „Das Problem ist der Klimawandel.“

Damit befindet sich der Bundesstaat im Einklang mit Experten wie dem Klimaforscher Michael Mann von der Pennsylvania State University. Die Erderwärmung sei eine unbestrittene Realität. Anhaltende Trockenheit und gestiegene Temperaturen verwandeln Gräser, Büsche und abgebrochenes Astwerk in Treibstoff für die rasenden Feuer. „Das Problem sind nicht Umweltschutzbestimmungen, sondern der Versuch diese auszuhöhlen.“ Das sieht LeRoy Westerling vom „Center for Climate Communication“ der „University of California“ ganz ähnlich. Vierzehn der zwanzig größten Flächenbrände ereigneten sich seit der Jahrtausendwende. Statt einer Feuersaison im Herbst herrsche in weiten Teilen Kaliforniens nun ganzjährig Brandgefahr.

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