Vermischtes

Mode Buch über Chanel und den im Februar gestorbenen Designer erscheint auf Deutsch

Karl Lagerfelds Welt in Comic-Zeichnungen

Archivartikel

Paris.Nach langem Warten auf einen Termin mit dem vielbeschäftigten Meister empfing er seine Besucher endlich an einem Freitagabend im November 2018 in seinem Studio. Der Modezar trug seinen obligatorischen Look mit schneeweißem Pferdeschwanz, dunklen Halbhandschuhen und hohem Hemdkragen – eine Ikone, die über ihren Ikonen-Status klagte. ,,Ich kann nicht einmal über die Straße gehen, ohne dass jemand etwas von mir will“, sagte Karl Lagerfeld. „Aber ich bin selbst schuld! Ich müsste nur unauffälliger auftreten. Obwohl ich mich supernormal finde!“

Seine Besucher, die Mode-Journalistin Laetitia Cénac und der Illustrator Philippe Delhomme, bereiteten ein Buch in Comic-Form vor, das sich „Hinter den Kulissen von Chanel“ abspielt – so lautete sein Titel. Ursprünglich sollte das Werk ausgerechnet am 19. Februar 2019 gedruckt werden, dem Tag, an dem Lagerfeld starb. Es ist ein Bilder-Buch über die Arbeit in dieser Branche. Aber auch eine Hommage an ihn und an das Modehaus, für das er 36 Jahre lang überaus erfolgreich als Kreativdirektor arbeitete. „Ich habe eine schlafende Schönheit wachgeküsst“, sagte er selbst.

Von der Weberei bis zum Laufsteg

An diesem Dienstag ist es in deutscher Sprache erschienen. Dabei lebt das Buch nicht nur von Worten, sondern auch von den farblich frischen Zeichnungen, die die Entwürfe und Schauen zeigen. Sie zeigen auch die Begegnungen mit Mitarbeitern sowie Cénacs und Delhommes Recherche in den verschiedenen Ateliers und Werkstätten.

Die Reise geht in eine Weberei in Ostfrankreich, zu einem Hersteller von Strickwaren und Kaschmirprodukten im schottischen Hawick und in die Manufaktor Roveda in Mailand, die Chanel im Jahr 2000 übernommen hat. So wird auch die Geschichte des Mode-Imperiums erzählt, das unter dem Dach seiner Tochterfirma „Parafection“ 27 Handwerksbetriebe versammelt.

Wer das Buch durchblättert, bekommt eine Ahnung davon, wie viele Schritte es braucht und wie viele fleißige Hände beteiligt sind, bis ein Tweed-Kostüm oder ein kleines Schwarzes auf dem Laufsteg der Fashion Week erscheint. Was alle daran Beteiligten miteinander verbindet, ist die Liebe zur absoluten Präzision und Handarbeit, zu Stoffen und Design.

An erster Stelle kommt Karl Lagerfeld, den Cénac kennenlernte als „unermüdlich und mit Leichtigkeit arbeitenden Menschen, der vor Humor nur so sprühte“. Er lasse, wie er verriet, in seiner Arbeit Coco Chanel wieder aufleben, die Gründerin der Marke, deren Geist stets über allem thronte: „Ich mache Dinge, die sie nie getan hat, die aber trotzdem très Chanel sind. Ich kenne das richtige Maß.“

Maßlose Darbietungen

Dabei waren die von ihm verantworteten Modeschauen gerade aufgrund ihrer Maßlosigkeit immer wieder eine Sensation – auch jene im Buch beschriebene Schau im Herbst 2018, bei der im Museums-Bau Grand Palais ein echter Traumstrand mit feinem Sand aufgeschüttet wurde, durch den die Models barfuß liefen.

Beim Blick hinter die Kulissen lernt der Leser die Arbeit des Tontechnikers und des Dekorationsteams kennen, die „Geheimnisse des Castings“ und die Ausstattung mit Accessoires. Auch treten die Figuren hinter Karl, dem Großen, auf: der Image-Designer, die Schuhdesignerin, die Markenbotschafterin und Lagerfelds langjährige rechte Hand, Virginie Viard.

Von Chanel könne man lernen, dass die luxuriösesten Stoffe von innen kommen, betont Viard, die inzwischen Lagerfelds Nachfolge angetreten hat. Auch die schlichte Eleganz, die den Stil der Coco Chanel auszeichnete, sei eine innere Haltung.

Laetitia Cénac, Jean-Philippe Delhomme (Ill.): „Hinter den Kulissen von Chanel“. Künstler, Ateliers und Werkstätten.Von den Entwürfen zur fertigen Kollektion. Knesebeck Verlag, 240 Seiten, 30 Euro, ISBN: 978–3957283–108