Vermischtes

Weihnachten

Kirche stellt Corona-Pandemie und Menschenwürde in den Mittelpunkt

Archivartikel

Limburg/Mainz/Fulda.Vertreter der Kirche haben in Rheinland-Pfalz zu Weihnachten die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt gerückt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kritisierte mit Blick auf erschreckende Bilder des Jahres 2020 etwa aus Bergamo die Missachtung der Menschenwürde. Weihnachten sei das große Fest der Menschenwürde, sagte der Limburger Bischof in einer am Freitag im Internet übertragenen Weihnachtspredigt. Doch diese Würde werde oft missachtet.

"In Bergamo werden Särge auf Militärtransportern zum stillen Begräbnis auf umliegende Friedhöfe gefahren. Solche Szenen in einem Nachbarland habe ich noch nie ansehen müssen, und sie haben ein tiefes Erschrecken in mir hinterlassen", sagte Bätzing mit Blick auf die Todesopfer der Corona-Pandemie. Die Pandemie sei neben den Auswirkungen des Klimawandels wohl die größte humanitäre Katastrophe seit vielen Jahrzehnten weltweit.

Auch Terror und Gewalt würden die Menschenwürde verletzen. Bätzing verurteilte die Anschläge in Hanau, Trier, Wien und anderswo. Antisemitische, islamistische, rechts- und linksextreme Gewalt nehme weltweit zu. Der Bischof erinnerte an die Vertreibung und Ermordung von Minderheiten oder auch die zunehmende häusliche Gewalt in der Pandemie. Auch Gewalt gegen Kinder machte er zum Thema. Der Missbrauchskomplex von Münster habe ein Ausmaß des Grauens offenbart, sagte er.

In einer Predigt im Mainzer Dom legte Bischof Peter Kohlgraf die Weihnachtsbotschaft als konkret erfahrbaren Zuspruch in Zeiten der Pandemie aus. In diesem Jahr falle die "übliche Weihnachtsseligkeit" teilweise weg, sagte der Geistliche am ersten Weihnachtsfeiertag in einer feierlichen Messe. Dafür gebe es nun Raum, "wie durch ein Brennglas auf den tiefsten Sinn des heutigen Festes" zu schauen.

"Das Kind, das so mühsam geboren wird und einen schweren Weg vor sich hat, offenbart mir einen Sinn, der sich nicht in klugen Worten erschöpft, sondern gelebt werden will", sagte der Mainzer Bischof nach dem vorab verbreiteten Predigtmanuskript. Der Kern dieser Sinnerfahrung sei es, bedingungslos und ohne Vorbehalte geliebt zu werden. "Geliebte Menschen geben einander Sinn. Wer sich geliebt weiß, wird nie sagen können: Es ist doch alles nur schlecht, absurd, sinnlos."

Glaube und Zuversicht können nach Ansicht des scheidenden Kirchenpräsidenten Christian Schad in den Tagen der Corona-Pandemie Trost spenden. Dass Gott als Mensch, als verwundbares Kind, an Weihnachten auf die Welt gekommen sei, sei eine Freudenbotschaft, "der stärkste Grund für unsere Hoffnung", sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz in seiner Weihnachtspredigt am Freitag in der Speyerer Gedächtniskirche

Zum Thema