Vermischtes

Gesellschaft An diesem Samstag ist Internationaler Tag des Kusses – die romantische Geste ist nicht nur gesund, sie macht auch glücklich

Knutsch mal wieder!

Berlin.Ob freundschaftlich oder erotisch, ob politischer Bruder- oder verräterischer Judaskuss – der Kuss ist eine uralte Geste mit vielerlei Bedeutung. Was Sie zum Tag des Kusses rund ums Küssen wissen sollten:

Kusskunst

Die Faszination hat Menschen durch alle Zeiten begleitet. In der Bibel hebt das „Hohelied“ Salomons mit einer leidenschaftlichen Aufforderung zum Knutschen an, der römische Dichter Ovid beschreibt Küssen in seiner „Ars amatoria“ (Liebeskunst). Bildhauer wie Auguste Rodin, Maler wie Gustav Klimt, Schriftsteller, Dichter und Filmregisseure haben sich immer wieder neu um das Thema verdient gemacht. Und für den Kuss hat fast jede Sprache ein eigenes Wort gefunden, vom Albanischen „puthje“ bis zum Vietnamesischen „danh to“.

Kussgeschichte

Geht der Kuss auf die Brutpflege und das Mund-zu-Mund-Füttern unserer evolutionären Ahnen zurück? Verhaltensforscher wie der 2018 gestorbene Irenäus Eibl-Eibesfeldt behaupten das. Die bei einigen Völkern noch heute praktizierte „Kuss-Fütterung“ hat der Österreicher auf seinen Reisen ausführlich dokumentiert. Die Mutter kaut die Nahrung vor und verabreicht sie dem Kind mit dem Mund – so ist es auch bei vielen Tierarten üblich, etwa bei Vögeln. Andere Forscher halten es für möglich, dass das Küssen mit dem Saugen des Säuglings an der Mutterbrust zusammenhängt, oder gehen von einem rein sexuellen Hintergrund des Kusses aus – als Ersatz für das tierische Schnüffeln im Anal- und Genitalbereich.

Kussgesund

In einem Punkt sind sich die Forscher jedoch einig: Der Kuss ist wie eine Energiespritze, die das Immunsystem stärkt und Stress abbaut. Das Herz schlägt schneller, der Stoffwechsel kommt in Schwung, der Körper schüttet Hormone aus – zum Beispiel das Kuschelhormon Oxytocin mit seiner beruhigenden Wirkung. Küssen stärkt das Bindungsgefühl – zwischen Mutter und Kind ebenso wie unter Partnern. Wer gerne küsst, könnte für Bluthochdruck und Depressionen weniger anfällig sein. Der ausgetauschte Speichel soll zudem gut für das Immunsystem und die Zähne sein, weil antimikrobielle Enzyme Karies und Parodontose vorbeugen. Um tiefe Falten brauchen sich eifrige Küsser auch weniger Sorgen zu machen. Sie trainieren alle 34 Gesichtsmuskeln auf einmal und straffen so ihre Haut. Und ein leidenschaftlicher Kuss gibt aus wissenschaftlicher Sicht den gleichen Kick wie 25 Gramm Schokolade – mit einem Vorteil: Er macht nicht dick. Und noch etwas: Wer gern und oft küsst, ist laut Forschung glücklicher und lebt fünf Jahre länger.

Kussrekord

Den Weltrekord im Massenküssen kann Brasilien für sich verbuchen: Laut Guinness-Buch knutschten 13 577 Paare 2014 im Zentrum von São Paulo. Schon 1941 hatten sich dem Guinness-Buch zufolge Jane Wyman und Regis Toomey in dem Film „Schrecken der zweiten Kompanie“ („You’re in the Army now“) mit drei Minuten und fünf Sekunden den bis heute gültigen Weltrekord auf einer kommerziellen Leinwand gesichert. Doch auch atemlos und unter Wasser hat das Küssen wohl seinen Reiz: Mit drei Minuten und 24 Sekunden verewigten sich Elisa Lazzarini und Michele Fucarino aus Italien 2010 im Guinness-Buch.

Tierische Küsse

Sie tun es zwar nur selten, aber sie tun es: Auch Affen küssen sich, zum Beispiel Schimpansen. Allerdings nicht in der Absicht, sich zu paaren, sondern zum Abbau von Stress oder auch als Form des Spiels. Andere Tiere haben ebenfalls gelernt, dass körperliche Nähe positive Gefühle erzeugen kann: So gehört das „Schnäbeln“ zum Paarungsverhalten mancher Vogelarten – vor allem wenn der Schnabel lang ist, wie zum Beispiel bei Reihern oder Störchen.

Kusskultur

Nicht überall wird munter drauflos geknutscht. Eine Studie des Kinsey-Instituts in Bloomington (US-Bundesstaat Indiana) zum Beispiel kommt zu dem Ergebnis, dass nicht einmal die Hälfte aller Völker das Küssen mit den Lippen überhaupt praktiziert. Weit verbreitet sei der mit Liebe oder Sexualität verbundene Kuss auf den Mund vor allem in Asien und Europa, im Nahen Osten und in Nordamerika, fand der Anthropologe Justin Garcia heraus. Bei afrikanischen Völkern südlich der Sahara, auf Neuguinea oder in Zentralamerika spiele der romantische Kuss eher keine Rolle. Und dass Eskimos zur Begrüßung lieber die Nasen aneinander reiben, hat wohl klimatische Gründe: In der Kälte könnten sonst die Lippen gefrieren.

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