Vermischtes

Lebensmittel Fleischskandal in Polen / Mindestens 14 Länder betroffen – darunter auch Deutschland

Kranke Tiere heimlich nachts geschlachtet

Archivartikel

Brüssel.Die EU-Kommission hat wegen eines Fleischskandals auf einem Schlachthof in Polen Ermittlungen eingeleitet. Kontrolleure sollten am Montag nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte gestern eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Die betreffende Fabrik in der Woiwodschaft Masowien, gegen die polnische Behörden inzwischen unter anderem wegen illegaler Schlachtung ermitteln, sei geschlossen, hieß es.

Etwa 9,5 Tonnen Fleisch seien in Umlauf gelangt, ein Drittel davon ins EU-Ausland. Ein Gesundheitsrisiko besteht nach Angaben der Behörden jedoch nicht. Das Fleisch werde zurückverfolgt und vom Markt genommen. Mindestens 14 Länder sind betroffen – darunter auch Deutschland.

Verzehr unbedenklich

Hintergrund ist ein Bericht des polnischen Nachrichtensenders TVN24 über skandalöse Praktiken in einem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien im Nordosten des Landes. Dort sollen kranke Tiere nachts heimlich geschlachtet und das Fleisch in Umlauf gebracht worden sein. Ein Reporter hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust und den Skandal aufgedeckt. Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramts Pawel Niemczuk bestätigte die rechtswidrigen Praktiken: „Das war ein illegales Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab.“

Laut EU-Kommission sind nach bisherigem Stand außer Polen auch Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden, Tschechien und Portugal betroffen. Das Ausmaß ist noch nicht vollends klar, wie es hieß. Es könnten demnach noch weitere Länder hinzukommen.

Polnische Behörden nahmen das Fleisch und die Produkte wegen der illegalen Schlachtung vom Markt, schlossen eine Gefahr für Gesundheit und Leben von Menschen jedoch aus. Das Fleisch und auch daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit. Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sprach aber von einem Einzelfall. Dieser Betrug schade dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Warschau kündigte als Reaktion verschärfte Kontrollen von Schlachtbetrieben an.

Nach Frankreich sind laut Landwirtschaftsminister Didier Guillaume rund 800 Kilogramm verdorbenes Fleisch gelangt, 500 Kilo davon wurden aufgespürt und sollen vernichtet werden. Betroffen seien im Land neun Weiterverarbeitungsbetriebe, sagte Guillaume dem Sender CNews. Es sei bisher nicht klar, ob verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt sei. „Das ist ein fürchterlicher Betrug, ein wirtschaftlicher Betrug“, betonte er.

Schulküchen beliefert

Nach Behördenangaben aus Prag sind rund 300 Kilogramm Rindfleisch aus dem verdächtigen Schlachtbetrieb nach Tschechien gelangt. Landwirtschaftsminister Miroslav Toman kritisierte die Informationspolitik Warschaus: „Man hatte uns mehrmals versichert, dass die Fleischlieferungen nicht nach Tschechien gegangen seien.“

In der Slowakei sind mindestens 300 Kilogramm Rindfleisch offenbar in den Handel und sogar in Schulküchen gelangt, hieß es aus dem Agrarministerium in Bratislava. Regierungschef Peter Pellegrini richtete eine Videobotschaft an alle Schulleiter der Slowakei, in ihren Schulküchen kein Importfleisch mehr zu erlauben.