Vermischtes

Tradition Zum Lichterfest werden vom 5. bis 8. Dezember Millionen Besucher erwartet

Künstler lassen Lyon erstrahlen

Paris.Eines der schönsten Straßenfeste Frankreichs würde es heute nicht geben, hätte es im Herbst 1852 in Lyon nicht wie aus Eimern vom Himmel geschüttet. Es regnete so sehr, dass die Saône die Stadt überflutete und das traditionelle Fest zur Verehrung der Jungfrau Maria um drei Monate vom 8. September auf den 8. Dezember verschoben werden musste.

Weil man es der Mutter Gottes zuschrieb, dass sie im Mittelalter auf Bitten der Gläubigen hin die grassierende Pest stoppte, hatte sich bis dahin an jedem 8. September, dem Festtag Mariä Geburt, ein Ehrenzug vom Stadtzentrum hinauf zur Kapelle und späteren Wallfahrtskirche auf den Fourvière-Hügel begeben, um dort Kerzen für sie anzuzünden.

1852 war es aber eben erst am 8. Dezember, dem Fest Mariä Empfängnis, an dem eine Statue der Heiligen Jungfrau auf dem Glockenturm der Kapelle eingeweiht wurde. Ein Feuerwerk auf dem Hügel und Fanfaren in den Straßen waren vorgesehen, die katholischen Honoratioren sollten ihre Häuserfassaden festlich beleuchten. Zwar entlud sich am Stichtag erneut ein gewaltiges Gewitter über der Stadt, doch später klarte der Himmel auf, und die Menschen von Lyon wollten ihre erwartete Feier nicht nochmals absagen.

Viertägiges Straßen-Spektakel

Sie erleuchteten ihre Fenster und zogen mit Lämpchen und Kerzen auf die Straßen der Stadt. „Um acht Uhr war die gesamte Bevölkerung auf der Straße“, beschrieb ein Zeitgenosse später die Stimmung. „Man gab einander die Hand, ohne sich zu kennen, man sang Kirchenlieder, man klatschte und rief: ,Es lebe Maria!‘“

So war eine neue Tradition für den 8. Dezember geschaffen. Fortan stellten die Bürger jedes Jahr an diesem Tag Kerzen auf ihre Fensterbretter. 1989 entschied das Rathaus, zudem Gebäude zu illuminieren, ab 1999 mithilfe von Beleuchtungs-Profis, die Lichter-Kunstwerke schufen. Inzwischen ist aus der „Fête des Lumières“, dem Lichterfest, immer rund um den 8. Dezember ein alljährliches viertägiges Straßen-Spektakel geworden, das französischen und internationalen Künstlern eine Bühne unter freiem Himmel bietet.

Teils werden die Werke mit musikalischer Begleitung auf die Fassaden der Gebäude projiziert. Manche bleiben in besonderer Erinnerung – wie die riesige Schneekugel über der Reiterstatue auf dem großen Bellecour-Platz oder jene Telefonkabine am Flussufer, die in ein Aquarium umgewandelt worden war. Für die Besucher gibt es vorgezeichnete Wege, damit sie an möglichst allen der rund 70 leuchtenden Kunstwerke vorbeikommen. Vor allem an den Wochenenden schieben sie sich zu Zigtausenden durch die Straßen.

„Was vor mehr als 160 Jahren mit kleinen Kerzen im Fenster begann, zieht heute Millionen Besucher an“, sagt Jean-François Zurawik, der seit 2003 Festival-Leiter ist. Die Hotels und Restaurants in Lyon machen in diesen vier Tagen zehn Prozent ihres Jahresumsatzes, die Bankautomaten werden viermal mehr als an einem normalen Wochenende beansprucht. Inzwischen veranstalten Städte in aller Welt eigene Lichter-Feste, ähnlich wie der Karneval von Rio oder das Münchner Oktoberfest internationale Nachahmer gefunden hat. Viele Rathäuser von Hongkong bis Montreal suchen dabei technische Unterstützung in Lyon – denn von hier, darauf legt Zurawik wert, kommt das Original.

Die Stadt im Rhônes-Alpes-Gebiet setzt darauf, dadurch auch in anderen Zeiten des Jahres Besucher anzuziehen. Sie wirbt mit ihrer stimmungsvollen Altstadt „Vieux Lyon“, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, oder dem „Musée des Confluences“, einem Museum mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung in einem modernen Bau, den die österreichische Architektur-Agentur Coop Himmelb(l)au gestaltet hat.

Noch aus einem anderen Grund begreift sich Lyon als „Lichter-Stadt“: Denn hier wurden Mitte des 19. Jahrhunderts die Brüder Auguste und Louis Lumière geboren – „lumière“ ist das französische Wort für „Licht“.

Für Gastronomie bekannt

Die Söhne eines Fotografen waren als Erfinder des Kinematographen im Jahr 1895 die Ersten, die öffentliche Filmvorführungen vor zahlendem Publikum in einem Pariser Café anboten und dabei mehrere selbst gedrehte Kurzfilme zeigten – damit gelten sie weithin als Erfinder des Kinos. Heute erinnern in Lyon das Institut Lumière mit zwei Kinosälen und einem Informationszentrum sowie ein Museum in ihrem ehemaligen Wohnhaus an die Lumière-Brüder.

„Lyon ist für zwei Dinge bekannt: Für das Licht und für die Gastronomie“, sagt David Kimelfeld, Präsident der Metropolregion Lyon. Zur gastronomischen Tradition hat der 2018 verstorbene Spitzenkoch Paul Bocuse viel beigetragen. Von den rund 4000 Restaurants haben 14 einen, zwei oder drei Michelin-Sterne. Gerade eröffnete im ehemaligen Krankenhaus Hôtel-Dieu die „Cité internationale de la Gastronomie“, eine Art Probier-Museum rund um das Thema Ernährung und die französische Kunst, zu essen und zu genießen.

Lyon möchte damit noch einen Grund mehr für einen Besuch liefern. In diesem Jahr findet das Fest vom 5. bis 8. Dezember statt.

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