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Tourismus Nach zwei Jahren treten in Palma wieder Toreros gegen Bullen an / Proteste erwartet

Kultur oder Tortur? – Stierkampf auf Mallorca

Palma.An der prächtigen Stierkampfarena von Palma de Mallorca wird fleißig Werbung für ein Event gemacht, dem die Balearenregierung eigentlich für immer „Adiós“ (deutsch: „Auf Wiedersehen“) sagen wollte: Eine „Gran Corrida de Toros“ am Freitag wird auf bunten Plakaten angekündigt – ein Stierkampf eben, und dazu noch mit illustren Akteuren wie dem spanienweit bekannten Torero Morante de la Puebla.

Zwei Jahre lang durften auf der Urlaubsinsel keine Stiere mehr getötet werden – nun feiert das Spektakel dank der spanischen Justiz sein Comeback. Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern sind verhärtet, aber eine Gewissheit gibt es: Es wird wieder Bullen-Blut fließen.

Verfassungsgericht kippt Verbot

Schon Tage vor der Corrida haben sich etwa 50 Tierschützer vor dem Rathaus von Palma postiert und protestieren mit Spruchbändern und Parolen wie „Das ist keine Kultur, sondern Tortur!“. Was ist passiert? Ende vergangenen Jahres hat das spanische Verfassungsgericht ein balearisches Stierkampfverbot aus dem Jahr 2017 in Teilen gekippt. Die Begründung: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei, könne nur der Staat über ein Verbot entscheiden. Die einzelnen Regionen dürfen demnach nicht eigenmächtig solche Beschlüsse fassen.

Nachdem bereits 2016 in Katalonien ein entsprechendes Verbot rückgängig gemacht worden war, sind nun die Kanaren die einzige Region des Landes, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Dort gibt es aber auch keine Tradition dieses Spektakels.

Noch ist es beschaulich vor dem im Jugendstil erbauten „Coliseo Balear“, das zwischen 1999 und 2013 sechsmal Schauplatz der früheren ZDF-Show „Wetten dass..?“ war und in dem 2016 das Finale von Heidi Klums Show „Germany’s Next Topmodel“ ausgerichtet wurde. In dieser Gegend, in der es von heruntergekommenen 1960er-Jahre-Bauten wimmelt, wirkt die Arena fast wie ein Ufo. Eine Reisegruppe macht Selfies vor dem Rund, das der Architekt Gaspar Bennàssar vor 90 Jahren fertiggestellt hat. „Auf Stierkämpfe stehe ich nicht so“, sagt einer der Urlauber. „Aber die Arena ist schön.“

Die Faszination sei schwer zu verstehen, wenn man nicht damit aufgewachsen sei, erklärt Raul Arenas. Der 33-Jährige berichtet in Online-Medien und im Radio über die Kämpfe. „Mein Onkel hat mich mit zehn Jahren zu meinem ersten Kampf mitgenommen. Von da an habe ich alles über diese Kunst in mich aufgesogen.“

Vier Toreros sollen am Freitag antreten. Wer in der ersten Reihe sitzen will, zahlt 130 Euro. Für ihn sei die Rückkehr der Kämpfe eine große Freude, aber gleichzeitig werde diese durch die auferlegten Beschränkungen getrübt, sagt Arenas. „Deshalb werden wir vor der Corrida eine Demo veranstalten.“

Die Stierkampffreunde sind empört, dass Minderjährige nicht mehr in die Arena dürfen und kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird – diese Artikel aus dem balearischen Stierkampfgesetz hatte das Verfassungsgericht für rechtens erklärt. „Diese Regeln machen es den Veranstaltern schwer, wirtschaftlich zu arbeiten“, prophezeit Arenas.

Zustimmung erteilt

Es wird nicht die einzige Protestaktion bleiben. Aida Cortecero hat mit der Tierschutzgruppe „I.C.A. Animalista“ ebenfalls zu einer Kundgebung aufgerufen – aber aus anderen Gründen. Mit ihren Mitstreitern kämpft sie gegen das blutige Spektakel. Dass das Verfassungsgericht das balearische Stierkampfgesetz gekippt habe, sei keine Überraschung gewesen. Aber immerhin hätten die zwei Jahre Pause der Stierkampfbewegung erheblich geschadet.

Am vergangenen Freitag hatten Inspektoren der Stadt die Arena besucht, um bauliche Auflagen zu prüfen. Die Stadtverwaltung von Palma erteilte am Donnerstag die endgültige Zustimmung für die Veranstaltung. Man habe bei der Inspektion der Arena zwar leichte bauliche Mängel gefunden, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der Stadt. Diese würde demnach aber eine Absage der Stierkämpfe nicht rechtfertigen.

Damit ist sicher, dass am Freitag nur wenige Kilometer vom Ballermann entfernt wieder Stiere sterben werden. Die Verfechter der „Tauromaquia“ freuen sich schon darauf. „Die Karten verkaufen sich ziemlich gut“, sagt etwa ein Mann am Tickethäuschen der Arena.

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