Vermischtes

Wetter Österreich meldet weiter steigende Lawinengefahr / Ausfall von Bahnen

Landkreis in Bayern ruft Katastrophenfall aus

Wien/Mosbach.In Bayern freuen sich die Kinder über schneefrei, in Österreich wächst derweil die Sorge vor Lawinen: Die Schnee-Situation im Alpenraum wird Experten zufolge immer dramatischer. Bis Donnerstag werde im Hochgebirge wohl ein weiterer Meter Neuschnee fallen. In tieferen Lagen seien in Österreich 30 bis 80 Zentimeter möglich, sagte gestern in Wien ein Sprecher der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Die Gefahr, dass Bäume angesichts der Schneelast und des Sturms auf Straßen, Stromtrassen und Bahnlinien stürzen, steigt von Tag zu Tag.“

Auch in Bayern gab es im Bahnverkehr Verspätungen und einzelne Zugausfälle. Die Bayerische Oberlandbahn konnte gestern südlich von Holzkirchen wegen Schnee auf Gleisen und Weichen nicht fahren. In den oberbayerischen Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach fällt derweil bis Freitag an allen staatlichen Schulen der Unterricht aus. Das Landratsamt Miesbach im Süden des Bundeslandes rief wegen des Schnees den Katastrophenfall aus.

Verunglückter aus Mosbach

Derweil wurde bekannt, dass bei einem der Lawinenunglücke im österreichischen Vorarlberg am Sonntag ein Wintersportler aus Mosbach ums Leben gekommen ist. Der 32-Jährige war am Nachmittag mit einer 25-jährigen Skifahrerin im Skigebiet von Damüls/Mellau (Bregenzerwald) unterwegs, als er abseits gesicherter Pisten verschüttet wurde. Rettungskräften sowie dem Notarzt gelang es nicht mehr, den Mann wiederzubeleben.

Eine Entwarnung der Lage ist erst einmal nicht in Sicht: „Die nächste Unwetterwarnung für den Alpenrand steht bevor“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Die Meteorologen erwarten ergiebigen Schneefall vor allem im Süden Bayerns. Darüber hinaus wird er im Schwarzwald, im Erzgebirge und im Bayerischen Wald erwartet.

Die Behörden in Tirol bereiten sich auf die höchste Lawinenwarnstufe vor. Dort liegen stellenweise schon jetzt drei Meter Schnee und mehr. Das Land habe unterschiedliche Szenarien im Blick und treffe entsprechende Vorsorge, meinte Ministerpräsident Günther Platter. So seien mehrere Hubschrauber in Bereitschaft. Das gelte auch für spezielle Einsatzgruppen der Alpin-Soldaten, die auf die Verschütteten-Suche spezialisiert seien. Bis zum Donnerstag werden in Tirol zwischen 50 und 120 Zentimetern Neuschnee erwartet. „Dies verschärft die Lawinensituation immens“, so der Leiter des Lawinenwarndiensts des Landes Tirol, Rudi Mair.

Behörden appellierten an Skifahrer, die gesicherten Pisten nicht zu verlassen. Generell sollte man auf unnötige Autofahrten verzichten. Auch das Betreten der Wälder sei angesichts der Gefahr umstürzender Bäume nicht ratsam. Hausbesitzer wurden aufgerufen, Dächer von der Schneelast zu befreien. Die An- und Abfahrt zu großen Skigebieten war aber trotz des Wetters mit Winterausrüstung meist gut zu bewältigen.

In Österreich wurde allerdings ein kleineres Skigebiet in den Ostalpen geschlossen. Die acht Lifte am Hochkar wurden eingestellt, weil die Zufahrtsstraße wegen Lawinengefahr gesperrt wurde. Angesichts von drei Metern Schnee trösteten sich die Liftbetreiber: „Der Schnee wird auch nach Wiederöffnung der Straße noch da sein“, sagte Ines Enöckl vom Hochkar-Marketing.

Suche nach Vermissten

Wie gefährlich auch Wanderungen mit Schneeschuhen werden können, zeigt die – letztlich tragische – Suchaktion nach einem Pärchen im österreichischen Tennengau. Die Jägerin und der Jäger wurden seit Samstag vermisst, gestern wurden ihre Leichen gefunden. „Sie wollten die Reviereinrichtungen kontrollieren und die Wildfütterung auffüllen“, sagte ein Sprecher der Bergrettung. Das Paar war von einer Lawine erfasst worden. In der Region beträgt die Schneehöhe rund zwei Meter. Unterdessen wurde die Suche nach zwei Tourengehern in Niederösterreich unterbrochen. „Aufgrund der Gefahrensituation können wir einen Einsatz nicht verantworten. Das Letzte, was wir wollen, ist ein toter Retter“, so der Einsatzleiter.

Von den gewaltigen Schneemengen betroffen ist auch Sänger DJ Ötzi („Anton aus Tirol“). Der 48-Jährige musste seinen Tourstart verschieben. Das für heute geplante Auftaktkonzert seiner „Gipfeltour“ auf einer Skihütte in Saalbach-Hinterglemm (südwestlich von Salzburg) könne wegen der Lawinengefahr und gesperrter Zufahrtsstraßen nicht stattfinden, teilte sein Management mit.