Vermischtes

Gesellschaft Regensburger Autorin Verena Brunschweiger schreibt Manifest gegen Nachwuchs

Leben ohne Kinder – Buch heizt Debatte an

Regensburg.Verena Brunschweiger ist Lehrerin, 38 Jahre alt und will keine Kinder. Damit macht sie gerade Schlagzeilen, weil sie ein Buch darüber geschrieben hat. In „Kinderfrei statt kinderlos“ bricht sie eine Lanze für ein Leben frei von Kindern – und begründet das vor allem mit dem Klimaschutz. „Kinderfreie Frauen müssen von ihrem schlechten Ruf befreit werden“, fordert sie.

Das Hauptargument ihres „Manifestes“, wie sie das Buch untertitelt hat: Kinder sind schlecht für die Umwelt, die CO2-Bilanz. Viele Leute in Deutschland wüssten gar nicht, „welche Belastung es für das Klima bedeutet, wenn wir so massig neue Leute produzieren“, sagt sie. Ihr Fazit: je weniger Kinder, desto besser.

Anfeindungen im Netz

Unter ihrem Hashtag #Brunschweiger wird sie seither angefeindet. Birgit Kelle, Autorin des Buches „Muttertier“ und vierfache Mutter, lästert in einem Gastbeitrag für focus.de über „Gebärstreik-Verena“ und schreibt, steile Thesen seien immer gut, wenn man ein Buch verkaufen wolle. „Wenn man dann noch im Vorbeilaufen ein paar Millionen Eltern beleidigen kann und das Ganze mit einer satten Portion moralischer Überhöhung untermauert, ist es fertig, das Buch für neurotische Frauen diesseits der Menopause.“

Sie habe auch positive Reaktionen bekommen, so Brunschweiger – „gerade von Frauen, die tatsächlich erleichtert wirkten. Die haben dann so Sachen gesagt wie: Endlich spricht mir mal einer aus der Seele. Das hat mich dann schon gefreut. Die hatten ja bislang alle keine Stimme und keine Lobby in Deutschland“, einem Land, in dem das „pro-natalistische Dogma“ herrsche. Für Brunschweiger, die sich selbst Radikal-Feministin nennt, ist ihr kinderfreier Ansatz ein „bewusster, feministischer Akt“. Sie nennt Kinder ein reaktionäres „Projekt“ und Mütter, die nur noch den Nachwuchs sehen, „Mombies“ – Mama-Zombies.

Mit dem Thema ist Brunschweiger Teil eines kleinen Literatur-Trends. Gerade ist das Buch „Mutterschaft“ der kanadischen Schriftstellerin Sheila Heti erschienen, das ebenfalls die selbstgewählte Kinderlosigkeit thematisiert. Die Debatte darum erinnert ein wenig an den Aufschrei, der vor einigen Jahren vor allem durch Online-Mütterforen ging. Auslöser damals: das Buch der israelischen Soziologin Orna Donath „Regretting Motherhood“ (Bedauern der Mutterschaft). Frauen räumten ein, dass sie es zeitweise bedauern, Mutter geworden zu sein. Das galt vielen als Tabubruch.

Dabei haben Studien herausgefunden, dass Kinder tatsächlich kein Garant sind für dauerhaftes Glück. „Über alle Altersgruppen hinweg sind Leute mit Kindern unglücklicher als Leute ohne Kinder“, sagt der Direktor des Max-Planck-Institutes für demografische Forschung in Rostock, Mikko Myrskylä. „Kinder zu haben macht zwar zeitweise glücklicher. Aber nach ein paar Jahren verschwindet der positive Aspekt, und die Leute sind genauso glücklich – oder unglücklich – wie vorher.“

„Altbekannte Falle“

Frauen und vor allem Mütter seien in Deutschland ständig konfrontiert mit Erwartungshaltungen, sagt die Marburger Psychoanalytikerin Helga Krüger-Kirn, die zu Mutterschaft und Geschlechterverhältnissen forscht und das Buch „Mutterschaft zwischen Konstruktion und Erfahrung“ herausgegeben hat.

„Gesellschaftlich ist eine Mutter anerkannt, wenn sie alles schafft, Beruf und Muttertätigkeiten optimal vereinbart, wenn sie ,gelungene’ – sprich erfolgreiche und leistungsfähige – Kinder hat“, sagt sie. Und so tritt auch Brunschweiger ihrer Ansicht nach mit der These, Frauen, die gebären, schaden der Umwelt, in eine altbekannte Falle: „Das ist so typisch: Mütter sind an allem schuld.“