Vermischtes

Silvester Trotz Verkaufsverbot zahlreiche Böller und einige schwere Unfälle / Polizei spricht aber bundesweit von ruhiger Nacht

Leere Plätze und Straßen – Deutsche feiern allein daheim

Archivartikel

Berlin.So ruhig wie seit Jahrzehnten nicht ist Deutschland mitten in der Corona-Krise ins neue Jahr gestartet. Viele Straßen und Plätze blieben in der Neujahrsnacht auffällig leer, es waren weit weniger Menschen unterwegs als sonst. Polizei und Rettungsdienste sprachen in ersten Bilanzen meist von ruhigen Lagen. Trotz des Verkaufsverbots wurde teils kräftig geböllert, auch Feuerwerk leuchtete am Himmel.

Schwere Unfälle mit Feuerwerk gab es ebenfalls: So starb ein 24-Jähriger in Brandenburg bei einem Unfall mit selbstgebastelter Pyrotechnik. Ein Berliner Supermarkt mit lagernden Feuerwerkskörpern brannte komplett ab und stürzte ein, rund 110 Einsatzkräfte hielt der Brand in Atem.

Im französischen Elsass verletzte ein Feuerwerkskörper einen Mann tödlich. Dem 25-Jährigen sei „der Kopf abgerissen“ worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP und berief sich auf die Präfektur des Departements Bas-Rhin. Ein weiterer Mann wurde bei dem Unfall in Boofzheim, etwa 30 Kilometer südlich von Straßburg, schwer am Kopf verletzt.

Die größte Silvesterparty Deutschlands und das Höhenfeuerwerk am Brandenburger Tor in Berlin waren wegen des geltenden Lockdowns abgesagt worden. Private Feiern waren bundesweit nur in kleinem Rahmen erlaubt. Vielerorts beendete die Polizei kleinere nicht erlaubte Wohnungspartys. Um böllertypische Verletzungen zu vermeiden und die Kliniken in der Pandemie nicht noch weiter zu belasten, war ein grundsätzliches Böller-Verkaufsverbot erlassen worden. Dennoch knallten zahlreiche Böller und Raketen – besonders in Berlin.

Angriff auf Einsatzkräfte

Einen Angriff mit Böllern auf Einsatzkräfte gab es in Essen: Rund 30 junge Männer hätten zunächst Mülltonnen in Brand gesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Als die Feuerwehr anrückte, seien die Einsatzkräfte mit Böllern beworfen worden. Polizeibeamte, die als Verstärkung gerufen wurden, seien ebenfalls mit Böllern beworfen worden. Einen 16-Jährigen nahmen die Beamten schließlich fest. In Wismar steht eine 45 Jahre alte Frau im Verdacht, Böller von einer Wohnung aus auf zwei Polizisten geworfen zu haben.

In Berlin, aber auch andernorts musste die Polizei zudem immer wieder kleinere Menschengruppen auflösen. Mehr als 80 Regelbrecher wurden dort vorübergehend festgehalten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz, wie ein Sprecher sagte. Mindestens drei Beamte wurden demnach im Einsatz leicht verletzt, konnten den Dienst aber fortsetzen. Polizeisprecherin Patricia Brämer fand dennoch lobende Worte: „Wir möchten uns bei den vielen Berlinerinnen und Berlinern bedanken, die sich an die Verordnungen gehalten haben.“

Am Brandenburger Tor herrschte ungewohnte Leere. Das ZDF strahlte seine Silvestershow live, aber ohne Publikum vor Ort aus, der Applaus kam vom Band. Fernsehzuschauer konnten sich bewerben, um über Video in der Sendung „Willkommen 2021“ eingeblendet zu werden.

Und wie wurde sonst in Deutschland gefeiert? Tendenziell ruhig. „Kein Vergleich mit vorangegangenen Jahren“, sagte ein Polizeisprecher in Mainz. Ähnliches war aus München, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu hören. Die Düsseldorfer Innenstadt, wo ein Böllerverbot galt, war bis kurz vor Mitternacht menschenleer.

Insgesamt erinnerte das Bild in deutschen Städten eher an den TV-Silvesterklassiker „Dinner for One“ (Abendessen allein), bei dem sich zwei Menschen mit Freunden betrinken, die gar nicht anwesend sind. Manche machten Fondue oder Raclette zu zweit, andere bestellten sich das Gourmet-Menü aus dem Restaurant für zu Hause oder trafen sich in Sektlaune mit der Familie in einer Videokonferenz.

Elektro-Shows in Paris

In vielen Ländern der Welt fielen die Silvesterfeiern wegen der Corona-Pandemie verhaltener aus als sonst. Nicht nur in Italien und Frankreich herrschten nächtliche Ausgangssperren. Viele Partys und Feuerwerke wurden abgesagt, darunter Festivitäten in Amsterdam, London und Rio de Janeiro.

In der italienischen Stadt Bergamo, die bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr besonders viele Tote zu beklagen hatte, war manchen gar nicht zum Feiern zumute. Die Verantwortlichen dort organisierten dann aber doch ein spezielles Event mit TV-Aufzeichnung, um das Coronavirus – oder besser das ganze Jahr 2020 – symbolisch zu verbrennen.

Während das berühmte Pariser Feuerwerk in diesem Jahr ausfiel, kamen Elektro-Liebhaber auf ihre Kosten. Gleich zwei Stars inszenierten Shows vor der Kulisse von Pariser Wahrzeichen: Elektropop-Pionier Jean Michel Jarre (72) läutete das neue Jahr in einer virtuellen Notre-Dame-Kathedrale ein, Elektro-DJ David Guetta (53) hatte eine Musikshow vor dem Louvre aufgezeichnet. dpa

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