Vermischtes

Bildung Ursachen sollen schlechte Koordination, Konzentrationsprobleme oder Medienkonsum sein / Feinmotorik kann zu Hause trainiert werden / Weitere Studien nötig

Lehrer bemängeln bundesweit Schrift ihrer Schüler

Berlin.Lehrer bundesweit bemängeln die Schreibkompetenzen ihrer Schüler. Laut einer gestern in Berlin vorgestellten Umfrage hat mehr als jedes dritte Grundschulkind (37 Prozent) Probleme, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Lehrer an weiterführenden Schulen sehen sogar bei 43 Prozent Mängel.

Schriftforscherin Sibylle Hurschler Lichtsteiner von der Pädagogischen Hochschule Luzern gibt allerdings zu bedenken, dass das Phänomen klagender Lehrer nicht neu ist. „Schon in früheren Jahrhunderten haben sich Lehrer über die handschriftlichen Fähigkeiten ihrer Schüler beschwert“, sagt die Schweizer Wissenschaftlerin. Für eine objektive Einschätzung wäre aus ihrer Sicht eine empirische Studie mit den Schülern nötig.

„Unterstützt die Rechtschreibung“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), eine Gewerkschaft, hat die Untersuchung gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut durchgeführt. Mehr als 2000 Lehrer bundesweit beteiligten sich. Aus Sicht der Pädagogen können im Schnitt nur vier von zehn Schülern 30 Minuten und länger beschwerdefrei – ohne Verkrampfung, Ermüdung oder Unleserlichkeit – schreiben.

Ursachen für die Probleme sehen sie in mangelnder Routine, schlechter Motorik und Koordination sowie Konzentrationsproblemen. Auch wird der zu starke Medienkonsum der Schüler von mehr als der Hälfte der Lehrer als problematisch empfunden. Es gehe nicht um ein neues Fach, aber das Handschreiben müsse besser in den Lehrplänen verankert werden, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

Warum das Handschreiben überhaupt so wichtig ist, erläutert Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts: „Beim Handschreiben – das belegen auch zahlreiche Studien – geht es um Bildung. Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“

Dass Schüler heutzutage allerdings länger als 30 Minuten schreiben sollten, hält Schriftforscherin Hurschler Lichtsteiner zumindest für die Grundschule für fraglich. „Schreiben hat eine wichtige Funktion, aber ist kein Ausdauersport mehr“, sagt sie. Die Handschrift sollte aber durchaus früh automatisiert sein, damit die Kinder den Kopf frei haben für die Planung ihrer Texte.

Aus Sicht der Lehrer können beim Schreibenlernen neben dem Üben zu Hause auch Aktivitäten helfen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Schreiben zu tun haben, aber die Feinmotorik trainieren: Malen, Basteln und Kochen. dpa