Vermischtes

Geburtstag Am 3. März wäre Loki Schmidt 100 Jahre alt geworden / Matinee zu ihren Ehren in Hamburg

Lehrerin, Botanikerin und Kanzlergattin

Archivartikel

Hamburg.Sie unterstützte ihren Mann Helmut Schmidt politisch, engagierte sich als Naturschützerin und reiste als Forscherin um die Welt: Loki Schmidt hat die Rolle der Ehefrau des Bundeskanzlers einst neu gestaltet. Die Hamburger Ehrenbürgerin hätte an diesem Sonntag ihren 100. Geburtstag gefeiert. Bei einer Matinee im Botanischen Garten werden Politiker, Weggefährten und geladene Gäste an die Verdienste der 2010 gestorbenen „Hamburger Deern“ mit dem frechen Kurzhaarschnitt erinnern.

Fast 70 Jahre waren die Schmidts verheiratet. „Dieses Verhältnis zwischen Helmut und Loki Schmidt war kongenial“, meint Historiker Meik Woyke, ab Juni Vorsitzender der Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung.

Erster Kuss mit 15 Jahren

Geboren wird Hannelore Glaser, Tochter eines Elektrikers und einer gelernten Schneiderin, 1919 im Hamburger Arbeiterviertel Hammerbrook. Schon als Mädchen nennt sie sich Loki. Die Schmidts lernen sich auf der Lichtwarkschule kennen – eine Reformschule, die die beiden prägt. Ein Foto zeigt Helmut Schmidts Feier zum zehnten Geburtstag. Loki ist als einziges Mädchen eingeladen.

Ihre Elternhäuser seien sehr verschieden gewesen, so Woyke. „Loki kam aus ärmlichen Verhältnissen.“ Als Helmut Schmidt (1918-2015) seine Schulfreundin das erste Mal besucht habe, sei er – aus dem Kleinbürgertum – entsetzt gewesen, wie man unter diesen Bedingungen wohnen könne. „Gleichzeitig war eine große Herzlichkeit in der Familie, ein ausgeprägtes Bildungsstreben.“ Loki sei sehr selbstbewusst gewesen. „Sie war sehr gebildet. Sie ließ sich nicht ins Bockshorn jagen“, berichtet Woyke. Das habe Helmut Schmidt gefallen. Mit 15 Jahren küssen sie sich zum ersten Mal. Vorübergehend verlieren sie sich später aus den Augen, doch nach einem Wiedersehen in Berlin 1941 beschließen sie zu heiraten. „Ohne Lokis Geduld und Langmut und ohne ihr Verständnis wäre ich wohl ein anderer Mensch geworden“, sagt der SPD-Politiker zum 40. Hochzeitstag.

Eigentlich will Loki Biologie studieren. „Der Zugang war ihr aber wegen der Studiengebühren und der damals verbreiteten Auffassung, dass das nichts für Frauen sei, verbaut“, sagt der Geschäftsführer der Loki-Schmidt-Stiftung, Axel Jahn. Von 1938 an absolviert Loki stattdessen ein Volksschullehrer-Studium. „Sie hatte eine ungeheure Neugier und ein großes Interesse an allem, was lebendig ist.“ Lebenslang wirbt sie für den Schutz heimischer Pflanzen und kürt seit 1980 die „Blume des Jahres“. „Sie hat das Land verändert“, so Jahn. Der Stellenwert des Naturschutzes sei heute ein anderer. „Sie hat die Türen geöffnet.“

Anrührende Beziehung

Zwei Jahre nach der Heirat wird Sohn Helmut Walter geboren, stirbt aber im Säuglingsalter. Insgesamt sechs Fehlgeburten hat Loki Schmidt. 1947 kommt Tochter Susanne zur Welt.

Von 1974 bis 1982 ist Helmut Schmidt Bundeskanzler. Für seine Frau ist klar, dass sie nicht nur repräsentieren will. „Sie hat in den Bundestagswahlkämpfen 1976 und 1980 eigene Veranstaltungen gehabt, jeweils 200 verschiedene, sie ist öfter und weiter durch das Land gereist als der damalige SPD-Parteivorsitzende Willy Brandt“, sagt Reiner Lehberger, Autor mehrerer Bücher über die Schmidts. Loki Schmidt habe die „soziale Seite“ ihres Mannes aufgebessert. „Indem sie die Wunden, die er mit seiner oft schroffen Art geschlagen hatte, hat heilen können.“

Lange gelten die Schmidts als Vorzeige-Paar. Doch die Ehe ist nicht nur harmonisch. „Sie ist durch ziemliche Täler gegangen, weil er Außenbeziehungen hatte“, sagt Lehberger über Loki Schmidt, die im Oktober 2010 gestorben ist. „Aber sie haben für sich einen Weg gefunden, über die Krisen hinwegzukommen. Zum Schluss führten sie eine anrührende, glückliche Altersbeziehung.“