Vermischtes

Gesellschaft Expertenkommission legt Handlungsempfehlungen zum Vorgehen bei sexuellen Übergriffen auf Kinder vor

Leitfaden gegen Missbrauch

Berlin.Für Einrichtungen, die mit dem Thema Kindesmissbrauch konfrontiert sind, gibt es ab jetzt konkrete Handlungsempfehlungen. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch hat am Dienstag in Berlin einen Leitfaden vorgelegt, der Schulen, Kitas, Sportvereinen oder anderen Institutionen dabei helfen soll, die Aufarbeitung offensiv anzugehen. Die Empfehlungen sind aber ausdrücklich auch für die Prävention gedacht und sollen Institutionen dabei unterstützen, Schutzkonzepte gegen Missbrauch entwickeln.

Die Bundesregierung hatte die Expertenkommission im Jahr 2016 eingesetzt, um Missbrauch in Sportvereinen, Institutionen, Familien oder im sozialen Umfeld aufzuarbeiten. Kern der Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen und Berichte von heute erwachsenen Betroffenen. Die Kommission soll Strukturen und Bedingungen aufdecken, die Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht und begünstigt haben, um daraus Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen.

„Wir haben in unseren Empfehlungen Standards und Kriterien entwickelt, die Aufarbeitung vor Ort möglich machen sollen“, sagte Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen. Enthalten sind unter anderem rechtliche Hinweise zur Frage der öffentlichen Nennung von Beschuldigten oder Tätern, zu Verjährungsfragen, zur Zusammensetzung von Aufarbeitungsteams oder auch zur Erstellung von Konzepten zum Schutz vor Missbrauch.

Schutzkonzepte fehlen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte im September deutlich mehr Engagement von den Bundesländern bei dem Thema gefordert. Rörig hatte eine Erhebung vorgelegt, die zeigte, dass viele Kinder- und Jugendeinrichtungen, von Kitas über Schulen, kirchliche Einrichtungen und Sportvereine bis hin zu Kliniken selbst sagten, dass sie keine ausreichenden Schutzkonzepte gegen Missbrauch haben.

Matthias Katsch, Mitglied der Kommission, sagte, mit dem Leitfaden solle Prävention gestärkt werden. „Auch, wenn ich noch nicht die Presse im Nacken habe, weil ein konkreter Verdachtsfall im Raum steht, sondern einfach aus dem Wissen, dass Missbrauch in Institutionen vorkommt und ich deswegen vorbereitet sein sollte“, so Katsch. „Wir hoffen, dass damit Institutionen eine Handreichung haben und sich nicht mehr dahinter verstecken werden können, dass sie nicht wissen, wie es geht“, betonte die Kommissionsvorsitzende Andresen.

Bei der Kommission haben sich seit Beginn ihrer Arbeit rund 1500 Betroffene gemeldet. In vielen Fällen können Täter nicht mehr belangt werden, weil sie nicht mehr ausfindig gemacht werden können oder weil Taten verjährt sind. Kindesmissbrauch ist laut polizeilicher Kriminalstatistik ein großes Problem. 2018 wurden 13 683 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch erfasst – das sind jedoch nur die angezeigten Fälle. Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten viel größer.

Rörig sagte der in Oldenburg erscheinenden „Nordwest-Zeitung“ (Dienstag): „Sexuelle Gewalt ist für viele Tausende Mädchen und Jungen in Deutschland trauriger Alltag. Das gehört zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland.“ Die Dimension der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche habe sich auch durch die Möglichkeiten der digitalen Medien verändert. dpa

Info: Missbrauchs-Kommission im Internet: https://bit.ly/2r8Mqlx

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