Vermischtes

ISS-Mission Deutscher Astronaut Alexander Gerst lobt gute Stimmung in der Raumstation / WM-Wette mit russischem Kollegen läuft

„Man muss sich das vorstellen wie Campingurlaub“

Köln.Alexander Gerst muss im Weltraum nicht komplett auf die Fußball-Weltmeisterschaft verzichten. „Wir schauen beim Abendessen, wenn wir Zeit haben, mal ein bisschen rein“, sagte der deutsche Astronaut gestern bei einer Live-Übertragung von der Internationalen Raumstation ISS zum Europäischen Astronautenzenttrum in Köln.

Dabei beantwortete er Journalistenfragen und ließ einen original lizenzierten WM-Ball durchs Bild schweben. Er erzählte auch von einer Wette: Wenn Russland die WM gewinnt, lässt er sich eine russische Flagge auf die Stirn malen. Bei einem deutschen Sieg lässt sich der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew eine Gerst-Glatze schneiden. Er wollte allerdings nicht darüber spekulieren, wer die WM gewinnt: Schließlich sei er Wissenschaftler und kein Wahrsager.

„Die Stimmung ist super in der Crew“, schwärmte er. „Man muss sich das hier vorstellen wie einen Campingurlaub: Man hat viel Spaß, aber nicht ganz so viel Komfort.“

Gerst war am Freitag nach zwei Tagen Flug in der Internationalen Raumstation (ISS) angekommen. Der 42-Jährige soll bis Dezember bleiben, im Herbst übernimmt er als erster Deutscher das Kommando auf der Raumstation.

Unter Jetlag oder auch nur postirdischer Depression scheint „Astro-Alex“ nicht zu leiden: Er wirkte bei der Übertragung äußerst gut gelaunt und fit. Er habe auch keine Anzeichen von Weltraumkrankheit, erzählte er. Deshalb habe er auch schon gleich mit seinen Experimenten angefangen. Insgesamt warten etwa 300 Versuche auf ihn.

Einziger Wermutstropfen: Der Hinflug war nicht mehr ganz so romantisch wie beim ersten Mal 2014. „Wenn man das zum zweiten Mal macht, ist es nicht mehr ganz dasselbe. Es ist schon mehr ein Stück weit Routine.“ Er habe aber auch nicht richtig Zeit gehabt, den Moment zu genießen, da er während des Flugs mit einem kleinen technischen Problem – einem defekten Sensor – zu kämpfen hatte.

Immerhin habe er von oben seine Kölner Heimat erkennen können, und das sei schön gewesen. „Ich bin hier angekommen, und es hat sich angefühlt, als ob ich gar nicht weg gewesen wäre“, sagte er. dpa