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Wissenschaft Zwei amerikanische und ein britischer Zellforscher in Schweden ausgezeichnet

Medizin-Nobelpreis für Kampf gegen Krebs

Berlin.Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an William Kaelin (USA), Peter Ratcliffe (Großbritannien) und Gregg Semenza (USA). Die Forscher entdeckten molekulare Mechanismen, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung wahrnehmen und sich daran anpassen, teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit.

Ihre Arbeiten hätten die Grundlagen gelegt für die Entwicklung neuer Strategien zur Bekämpfung von Blutarmut, Krebs und vielen anderen Erkrankungen, hieß es von der Jury. Der Sauerstoffgehalt in der Umgebung beeinflusst in bestimmten Fällen das Wachstum der Zellen in einem Tumor und dessen Versorgung. Daher gelten die zugrundeliegenden Mechanismen als mögliche Ansatzpunkte für Krebstherapien.

Alle Tiere benötigen Sauerstoff, um aufgenommene Nahrung im Inneren der Zellen in lebenserhaltende Energie umzuwandeln. Verändert sich der Sauerstoffgehalt, verändert sich die Aktivität zahlreicher Gene und damit letztlich der Stoffwechsel.

Gregg Semenza vom Johns Hopkins Institute for Cell Engineering in Baltimore identifizierte in den frühen 1990er Jahren ein Protein, das diese sauerstoffabhängigen Reaktionen reguliert. 1995 konnte der 1956 in New York geborene Biologe das Protein gewinnen und weiter erforschen. Der Name des Faktors: HIF (Hypoxia Inducible Factor).

Fauler Schüler

Nach der Schule ging Semenza an die Elite-Universität Harvard, um Genetik zu studieren. Als eine Freundin seiner Familie ein Kind mit Down-Syndrom bekam, änderten sich seine Forschungsinteressen. „Diese Erfahrung hat mich mehr in die Richtung der medizinischen Genetik gebracht, als es um den Doktortitel ging. Das war eine große Veränderung für mich.“ Nach dem Harvard-Abschluss ging Semenza an die University of Pennsylvania, forschte am Erbsubstanz-Molekül DNA und spezialisierte sich zum Kinderarzt. Semenza hat mehr als 400 wissenschaftliche Artikel verfasst und bereits zahlreiche renommierte Preise für seine Arbeit bekommen.

Der Mediziner William Kaelin von der Harvard Medical School in Boston, geboren 1957 in New York, untersuchte eine Krebserkrankung, die auf einem fehlerhaften Protein beruht. Die Aktivität dieses VHL genannten Proteins ist abhängig vom Sauerstoffgehalt. Während seiner Schulzeit war er allerdings nach eigener Aussage eher faul. So erzählte er über einen Sommerkurs für Mathe-Cracks: „Ich war froh, festzustellen, dass ich nicht der am wenigsten Begabte (...) war. Aber ich hatte sicherlich wegen meiner miserablen Lerngewohnheiten die schlechtesten Noten.“ Doch der junge Kaelin riss sich am Riemen und machte Karriere – erst als Klinikarzt, später als Forscher.

Der Brite Peter Ratcliffe, 1954 in Lancashire geboren, fand 1999 schließlich heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Proteinen – HIF und VHL – gibt. Die britische Königin Elizabeth II. verpasste dem Forscher den Ritterschlag im Jahr 2014 für seine Entdeckungen auf dem Gebiet des Sauerstoffmangels (Hypoxie).

Ratcliffes Karriere ist eng mit zwei britischen Elite-Hochschulen verbunden. Er studierte an der Universität Cambridge Medizin und spezialisierte sich dabei auf Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen (Nephrologie). Inzwischen arbeitet er als Direktor des Target Discovery Instituts an der renommierten Universität Oxford. Außerdem ist der 65-Jährige Direktor für Klinische Forschung am Francis-Crick-Institut in London.

Meist konsumierte Substanz

Im Jahr 2016 hatten Kaelin, Ratcliffe und Semenza bereits den renommierten Lasker-Award bekommen. Als „ein wunderschönes System“ hatte Gregg Semenza damals den Mechanismus der Sauerstoffwahrnehmung in einem Video bezeichnet. Sauerstoff sei die Substanz, von der man am meisten konsumiere und ohne die man am kürzesten überlebe.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 830 000 Euro (neun Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

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