Vermischtes

Verkehr Interessenvertreter drängen auf zügige Lösungen, um Unfälle mit Lastern zu vermeiden

Mehr Sicherheit für Radfahrer gefordert

Berlin.Zurück bleiben trauernde Familien sowie geschockte Ersthelfer. Und traumatisierte Lkw-Fahrer, die womöglich nie wieder ins Führerhaus steigen. In trauriger Regelmäßigkeit, 30 bis 40 Mal pro Jahr, sterben Menschen in Deutschland unter den Rädern von Lastwagen. Um solchen Lkw-Abbiegeunfällen vorzubeugen, dringen Interessenvertreter von Radfahrern und Logistik auf zügige Veränderungen. „Wir haben nicht Zeit bis irgendwann. Es muss jetzt schnell gehen“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Burkhard Stork, am Dienstag in Berlin in Richtung von Kommunalpolitikern und Transportbranche.

Mit dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) fordert der ADFC in einem gemeinsamen Papier unter anderem den Umbau von Kreuzungen, getrennte Grünphasen für Radler und Rechtsabbieger an Ampeln sowie mehr Lastwagen mit Abbiegeassistenten. Beide Organisationen befürchten wegen des zunehmenden Rad- und Güterverkehrs auch mehr Unfälle. „Unser aller Konsumverhalten“ habe damit zu tun, sagte BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt mit Blick auf Online-Bestellungen.

Signal warnt vor Kollision

Laut ADFC sind bundesweit seit Jahresbeginn schon sechs Menschen durch rechtsabbiegende Fahrzeuge getötet worden. Es treffe in der Regel die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder und Senioren. Für Fahrradunfälle sei der Frauenanteil der Opfer bei Lkw-Abbiegeunfällen überproportional groß.

Weil Lkw-Fahrer gerade im Stadtverkehr praktisch kaum ihre sechs Spiegel und alles um sie herum im Blick behalten können, ruhen viele Hoffnungen auf Abbiegeassistenten. Diese Systeme warnen etwa akustisch vor drohenden Kollisionen. ADFC und BGL erklärten, alle Lkw-Besitzer müssten nun freiwillig investieren, auch wenn die europaweite Pflicht noch nicht greife.

Erst seit dem vergangenen Jahr gebe es wirklich funktionierende Assistenten, so Engelhardt. Bisher seien fünf bis zehn Prozent der deutschen Lkw mit einem solchen System unterwegs. Jahrelang habe Druck auf die Hersteller gefehlt – nur einer liefere aktuell Abbiegeassistenten ab Werk, alles andere seien Lösungen zum Nachrüsten. Eine Notbremsfunktion etwa müsse noch zur Marktreife gebracht werden, hieß es. Für die Kosten für Assistenzsysteme von 1500 bis 3000 Euro gibt es Förderprogramme des Bundes und zum Beispiel auch des Landes Berlin.

Weil auch die Geräte nicht alle Unfälle verhindern könnten, sei zusätzlich bessere Infrastruktur nötig, betonte Stork. Lkw und Rad- und Fußverkehr müssten räumlich getrennt werden – ein Vorbild dafür seien die Niederlande. Oft sagen Politiker jedoch, ein entsprechender Umbau von Städten dauere viele Jahre. Stork betonte, grundsätzlich könnten Kreuzungen innerhalb von sechs Monaten umgestaltet werden, etwa mittels Inseln aus Betonfertigelementen. Auch genug Geld sei momentan im Topf, so dass alle Kommunen anfangen könnten.

Manche Städte sperren laut ADFC inzwischen Spuren zum schnelleren Rechtsabbiegen vor Kreuzungen, deren Gefährlichkeit bekannt sei. „Das kann über Nacht passieren.“ Stork rief Kommunen auf, Anfahrtvorgaben etwa für Großbaustellen zu machen, um Lkw von Gefahrenpunkten fernzuhalten.

Nicht zuletzt sei hohe Aufmerksamkeit bei Radfahrern gefordert, sagte Stork. Aus dem Gegeneinander von Radlern und Lkw-Fahrern müsse ein Miteinander von Menschen werden, so der Appell.

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