Vermischtes

Kriminalität Problem ist uneinheitliche Datenerfassung in Ländern

Messerangriffe: Statistik kommt im Jahr 2022

Archivartikel

Berlin.Messerangriffe sind immer wieder Thema – doch bis zu einer bundesweiten statistischen Erfassung soll es noch rund zweieinhalb Jahre dauern. Die für eine gesonderte Aufnahme von Messern als „Tatmittel“ in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) notwendigen Änderungen seien aufwendig, teilte die Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hess mit. Eine Auswertung sei daher vor dem 1. Januar 2022 „voraussichtlich nicht realisierbar“. Die Innenministerkonferenz hatte bereits im November 2018 eine bundesweite statistische Erfassung von Messern als Tatwerkzeug gefordert.

Es sei aber beabsichtigt, ab Januar 2020 eine Übergangslösung zu schaffen. Dadurch könnten Messerangriffe als „Phänomen“ im PKS-Katalog erfasst werden. Damit wäre ein Überblick über Fallzahlen möglich, ergänzende Angaben etwa zu Tatverdächtigen würden nicht erfasst.

Damit die Zahlen bundesweit vergleichbar sind, müssten bei der Aufnahme einer Anzeige die gleichen Details erfasst werden. Beim Bundeskriminalamt (BKA) heißt es: „Die PKS basiert auf den Datensätzen der einzelnen Bundesländer – sobald dort eine einheitliche Erfassung sichergestellt ist, können die entsprechenden Daten in die bundesweite Statistik einfließen.“

Verbot wird geprüft

Die Bundespolizei hatte 2018 mehrere Verfügungen erlassen, mit denen das Führen von Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen räumlich und zeitlich beschränkt verboten wurde. Der Bundesrat prüft derzeit auf Antrag von Niedersachsen ein Messerverbot an vielen öffentlichen Orten, darunter Schulen, Busse und Bahnhöfe. Allein in seinem Bundesland habe es in den letzten beiden Jahren rund 3700 Taten mit Stichwaffen gebegeben, in 99 Prozent sei es um Messer gegangen, sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD), als er jüngst im Bundesrat für den Antrag seines Bundeslandes warb. 22 Menschen seien gestorben. Pistorius räumte ein, dass die Kriminalstatistik für Niedersachsen gleichbleibende Zahlen – aber doch hohe Zahlen – ausweise. Seinen Vorstoß begründete er mit dem Sicherheitsempfinden der Bürger. Es gebe „die subjektive Wahrnehmung, dass die Situation auf den Straßen unsicherer wird“.

Waffe aus Angst vor Straftaten

„Derzeit kann das BKA keine Aussagen dazu treffen, ob Angriffe mit Messern in Deutschland zunehmen“, erklärte eine BKA-Sprecherin. „Dunkelfeldbefragungen zeigen einen Trend zum häufigeren Messertragen, insbesondere bei Menschen zwischen 14 und 39 Jahren.“ Bei Dunkelfeldbefragungen versucht man, auch jenen Teil an Straftaten zu ergründen, die nicht Eingang in die Statistik finden. Dazu werden zum Beispiel Opfer oder Täter befragt. „Als Gründe für das Mitführen eines Messers werden insbesondere die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, sowie die Orientierung an Männlichkeitsnormen angeführt“, sagte die Sprecherin.

Das BKA rät vom Mitführen jeglicher Art von Waffen ab, auch zur Verteidigung. „Studien zeigen, dass das Tragen von Messern Einfluss auf das Gewaltverhalten haben kann.“ Jugendliche, die Messer mit sich führten, hätten ein doppelt so hohes Risiko, Gewalttaten auszuführen, wie Jugendliche, die kein Messer dabei hätten, hieß es weiter.

Hess sagte, Grundlage von Gesetzesänderungen müsse ein „solides Lagebild“ sein. Dass dies möglich sei, zeige der Sicherheitsbericht von Baden-Württemberg. Im Südwesten waren 2018 nach Gewaltdelikten mit Messern 1757 Tatverdächtige ermittelt worden, darunter 1052 Ausländer. Zum Vergleich: 2014 waren nach Straftaten mit Messern 1421 Verdächtige registriert worden. „Es wäre unverhältnismäßig, das Tragen von Messern über sechs Zentimeter grundsätzlich zu verbieten“, wenn der in Baden-Württemberg zuletzt verzeichnete Anstieg von Angriffen allein auf Zuwanderer aus Drittstaaten zurückzuführen wäre, so Hess.