Vermischtes

Astronomie Grundstücksbesitzer Hansjörg Bayer brachte es nie über sich, den besonders aussehenden Stein zu entsorgen

Meteorit lag jahrelang im Garten

Archivartikel

Blaubeuren.Der 30 Kilogramm schwere Brocken fristete lange ein Schattendasein: Möglicherweise mehrere Tausend Jahre lag er unter der Erde, gut 25 weitere Jahre war er Dekostück in einem Garten in Blaubeuren. Zum Schluss landete er in einem Kleiderschrank. Erst dann entschied sich Grundstücksbesitzer Hansjörg Bayer, ein Stück des vermeintlichen Steins, der ihm immer schon ungewöhnlich erschien, einem Fachmann zu schicken – nicht ahnend, dass er jahrelang den größten in Deutschland entdeckten Steinmeteoriten bei sich zu Hause gelagert hatte.

Das 20 Gramm leichte Fragment des Brockens aus Bayers Garten landet bei Meteoritenforscher Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er tippt beim Anschauen auf Eisenerz. „Der sah erst überhaupt nicht meteoritenverdächtig aus“, erinnert sich der Experte, der am DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin arbeitet. Mit einer speziellen Säge durchtrennt er das Stück. Angesichts der typischen Struktur und nach einer Untersuchung auf den Eisen- und Nickelwert ist für ihn klar: „Das ist einer.“ Nach Untersuchungen in unterschiedlichen Laboren wird die Vermutung bestätigt: ein Meteorit.

Und was für einer: Das Fundstück ist 30,26 Kilogramm schwer. Bislang war der bei Oldenburg gefundene „Benthullen“-Meteorit mit einem Gewicht von 17,25 Kilogramm laut DLR der Rekordhalter. Der kosmische Körper aus Bayers Garten wird nach der Stadt Blaubeuren in der Nähe von Ulm benannt. Das DLR bezeichnete am Mittwoch den Fund als „wissenschaftliche Sensation“.

In 50 Zentimetern Tiefe entdeckt

Meteoritenfunde sind laut Heinlein sehr selten. Nun könne man genau untersuchen, wie lange der Meteorit welchen Witterungsverhältnissen ausgesetzt war. Über die Jahrhunderte hat es in Deutschland nur 52 Funde gegeben. Das liegt auch daran, dass sie im hiesigen Klima vergleichsweise schnell verwittern. Bayer hatte den vermeintlichen Stein 1989 entdeckt, als er in seinem Garten ein Rohr verlegen wollte.

Selbst Profis können ihn laut DLR nicht unbedingt auf den ersten Blick als Meteoriten erkennen. Viele Laien verwechselten Eisenerze mit Meteoriten, sagt Heinlein. „Unter 2000 Einsendungen in den letzten 15 Jahren waren drei echte dabei.“ Die anderen zwei waren faustgroß. Dieser misst 28 mal 25 mal 20 Zentimeter. Heinlein vermutet, dass der Meteorit mit 250 Stundenkilometern aufgeprallt ist. Er wurde am Freitag im Planetarium in Laupheim, Kreis Biberach) zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Er soll weiter untersucht werden. dpa

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