Vermischtes

Gesellschaft Sexismus-Debatte hat sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst / Bilanz nach einem halben Jahr

„#MeToo“ rund um den Globus

Archivartikel

Berlin.Der Stein des Anstoßes für die neue Debatte über Sexismus unter dem Schlagwort #MeToo lag in den USA. Doch es dauerte nicht lang, da wurde aus dem Weinstein-Skandal eine weltweite Bewegung. Was hat #MeToo in verschiedenen Regionen der Welt bewirkt? Ein Überblick:

Vereinigte Staaten

Im Oktober 2017 traten Artikel in der „New York Times“ und im Magazin „New Yorker“ eine Lawine los: Ashley Judd und weitere Schauspielerinnen warfen darin Harvey Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Immer weitere schlossen sich an.

Weinstein hat Fehlverhalten eingeräumt, Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex aber immer wieder zurückgewiesen. Der Produzent soll sich derzeit in Therapie befinden. Seine Frau ließ sich scheiden, die von ihm gegründete Filmfirma, die inzwischen Insolvenz anmelden musste, entließ ihn.

Die Weinstein-Enthüllungen lösten die #MeToo-Debatte und die Kampagne TimesUp („Die Zeit ist um“) aus – eine weltweite Bewegung, bei der Hunderttausende Betroffene über eigene Erfahrungen berichten und Missbrauchsvorwürfe öffentlich machen.

Großbritannien

Die #MeToo-Debatte hat in Großbritannien besonders Politiker getroffen. Belästigungsvorwürfe führten zu Rücktritten von Regierungsmitgliedern, sowohl Verteidigungsminister Michael Fallon als auch Kabinettschef Damian Green verloren ihre Posten. Ähnliche Vorwürfe wurden in der Film-, Musik- und Modebranche bekannt.

Fast 200 britische und irische Schauspielerinnen gründeten eine Initiative, um Frauen in ihrer Branche zu unterstützen. Ihr Appell: „Lasst uns 2018 zu dem Jahr machen, in dem die Zeit für sexuelle Belästigung und Missbrauch um ist.“ Sexuelles Fehlverhalten von einigen Mitarbeitern in Krisengebieten in Haiti und im Tschad räumte die Hilfsorganisation Oxfam ein. Die Männer hatten etwa Sex für Hilfsleistungen verlangt.

Schweden

Das Land gilt eigentlich als Paradies der Gleichberechtigung. Deshalb hat es viele überrascht, wie stark #MeToo auch hier eingeschlagen hat. In verschiedenen Branchen haben Zehntausende Betroffene im vergangenen halben Jahr Berichte und Unterschriften gesammelt: Schauspielerinnen, Sängerinnen, Juristinnen, Archäologinnen, Frauen in der Baubranche, Ärztinnen, Politikerinnen. Die Schwedinnen gehen nicht nur hart mit Sexismus ins Gericht, sondern stellen auch konkrete Forderungen nach Arbeitsplätzen frei von Diskriminierung, Untertönen und Belästigung.

Rund 40 Unternehmen mussten ihren Umgang mit Belästigungen vor dem Diskriminierungs-Ombudsmann rechtfertigen. Mehrere Politiker und Fernsehmoderatoren verloren ihre Jobs.

Indien

Schon kurz nach nach dem ersten Gebrauch des Hashtags #MeToo in sozialen Netzwerken schlossen sich Frauen in Indien der Kampagne an. So offen wie vielleicht noch nie wurde in dem konservativen Land über das Problem sexueller Belästigung gesprochen. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in Indien ein großes Problem. Medien berichten mit trauriger Regelmäßigkeit von besonders grausamen Vergewaltigungen, oft mit Todesfolge.

Ungarn

#MeToo brachte die Schauspielerin Lilla Sarosdi dazu, von sexueller Nötigung zu erzählen, die sie vor 20 Jahren durch den Theaterregisseur Laszlo Marton erfahren habe. Danach meldeten sich sieben weitere mutmaßliche Opfer desselben Mannes zu Wort. Marton legte seine Funktionen als Oberspielleiter des Lustspieltheaters und Lehrer an der Budapester Theater-Universität nieder. In der Folge wurden noch mehr Fälle aus der Theater-, Musik-, Literatur- und Universitätswelt bekannt.

Arabische Welt

In weiten Teilen der arabischen Welt spielte MeToo nur eine untergeordnete Rolle. Ein wichtiger Grund dafür dürfte auch sein, dass die Debatte in der Region online vor allem in elitären Kreisen und häufig auf Englisch geführt wird. Trotzdem war das berühmte Hashtag auch in arabischen Ländern, vor allem in Ägypten, zeitweise viral. Seit den arabischen Aufständen 2011 gab es in einigen Ländern entsprechende Kampagnen. So richtete sich im September in Tunesien eine Aktion mit dem Namen „Belästiger fahren nicht mit uns“ gegen Annäherungsversuche in öffentlichen Verkehrsmitteln. dpa

Info: Video unter morgenweb.de/vermischtes

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