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Verkehr Mehr Ermittlungsverfahren gegen Teilnehmer illegaler Rennen / Anwalt fordert Einschränkung für junge Fahrer beim Führerschein

Mit Vollgas für den Kick

Archivartikel

Berlin.Immer mehr Raser und Fahrer illegaler Autorennen müssen mit Strafverfolgung rechnen. Allein in der Hauptstadt stieg die Zahl neuer Ermittlungsverfahren in diesem Jahr gegenüber 2018 um mehr als 30 Prozent, wie der Erste Oberamtsanwalt Andreas Winkelmann der Deutschen Presse-Agentur sagte. 2019 wurden 565 solcher Verfahren eingeleitet. „Seit der Gesetzesänderung 2017 bis zum Ende dieses Jahres werden wir bei den Ermittlungsverfahren die 1000er-Marke überstiegen haben“, sagte Winkelmann.

Auch in Nordrhein-Westfalen registrierten Ermittler deutlich mehr illegale Rennen auf der Straße. Allein von Januar bis September ermittelten die Beamten in 456 Fällen – im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 387 Verfahren. Jetzt werde noch mehr kontrolliert, so die Polizei. In Köln gibt es eine spezielle Ermittlungsgruppe. Bis Ende September wurden mehr illegale Raser-Fälle (93 Rennen) als im gesamten Vorjahr aufgenommen. Bayerische Gerichte verurteilten laut Justizministerium allein 2018 40 Teilnehmer illegaler Autorennen. Auch in diesem Jahr wurden mehrjährige Haftstrafen gegen Raser verhängt.

Im Oktober 2017 wurden illegale Autorennen von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen laut Strafgesetzbuch mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden. Zuvor gab es nur Geldbußen bis zu 400 Euro. Der neue Paragraf 315d im Strafgesetzbuch sieht zudem bis zu zehn Jahre Gefängnis vor, wenn durch ein „verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ der Tod eines anderen Menschen verursacht wird. Die Raser in der Hauptstadt seien meist männliche Deutsche zwischen 18 und 30 Jahren, sagte Amtsanwalt Winkelmann. „Es wird das ganze Jahr über gerast.“ Die Fahrzeuge im Luxussegment würden meist gemietet.

„Legen sich ein Image zu“

Meist treffe es die jungen Männer, wenn sie von der Polizei gestellt werden und der Führerschein eingezogen wird, so Winkelmann. Die Beamten seien aber auch vom Zufall abhängig, um Raser auf frischer Tat zu stoppen. Es komme vor, dass ein Polizeiauto bei der Verfolgung von einem Raserwagen abgehängt wird.

Doch schreckt die Strafverfolgung ab? Winkelmann rechnete in der Hauptstadt nicht mit weniger Fällen. „Es geht um den Kick bei der spontanen Verabredung an der roten Ampel mit röhrendem Motor.“ Er forderte Einschränkungen für junge Fahrer beim Führerschein. „Was schadet es denn, wenn nur gestandene, etwas ältere Fahrer in so PS-starken Fahrzeugen ans Steuer dürfen?“

Zwar sorgte im März das Berliner Mord-Urteil mit lebenslangen Freiheitsstrafen gegen zwei Raser bundesweit für Aufmerksamkeit. Bei dem illegalen Rennen wurde im Februar 2016 ein unbeteiligter Rentner getötet. Doch auch nach dem spektakulären Schuldspruch wurden immer wieder Raser gestellt. „Mit einem aufgemotzten Auto legen sich die Herrschaften ein Image zu, das sie sonst nicht haben“, meinte der Berliner Amtsanwalt.

Die Vereinigung Berliner Staatsanwälte ist zuversichtlich, dass das Berliner Raser-Urteil einer Prüfung des Bundesgerichtshofs standhält. Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, könnten Strafverfolgungsbehörden deutschlandweit von dem Berliner Urteil lernen, hieß es. 

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