Vermischtes

Prozess Acht Jahre Haft für Klosterschüler / 14-jähriges Opfer nach Messerattacke im Rollstuhl

Motiv: Mordlust und Heimtücke

Archivartikel

Mühlhausen/Roßleben.Die letzte Stunde ist gerade vorbei, als das Drama an der Klosterschule Roßleben passiert: Völlig unvermittelt sticht ein 15 Jahre alter Schüler aus dem Kyffhäuserkreis in Thüringen mit einem Küchenmesser seiner Großmutter auf einen Mitschüler ein und verletzt ihn schwer. Das Opfer, ein 14-Jähriger, überlebt – mit bleibenden Schäden.

Mehrere Monate nach der Tat im September 2017 hat das Landgericht Mühlhausen den 15-Jährigen nun wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Das Gericht ordnete am Dienstag auch die Unterbringung in einer sozialtherapeutischen Einrichtung innerhalb des Jugendgefängnisses an. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 15-jährige Deutsche den Jüngeren aus „Mordlust“ und „Heimtücke“ mit fünf Messerstichen schwer verletzte. Zudem schlug er den am Boden Liegenden noch mindestens zwei Mal mit der Faust ins Gesicht.

Besondere Schwere der Schuld

Festgestellt wurde die besondere Schwere der Schuld. Über eine Sicherungsverwahrung soll vor Ende der Haftzeit entschieden werden, sie wird zunächst vorbehalten. Laut Gericht hat der Jugendliche in der Untersuchungshaft angekündigt, einen Menschen töten zu wollen.

Der verletzte Schüler wird zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen sein, weil er an einer dauerhaften Gehstörung leidet. Mit seinem Geständnis hatte der Angeklagte dem Opfer eine Befragung im Prozess erspart. Als Motiv nannte der 15-Jährige, er habe wissen wollen, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu töten. Er habe auch sehen wollen, wie sich die anderen erschrecken. Das 20 Zentimeter lange Küchenmesser der Großmutter hatte der Gymnasiast am Vorabend in ein Tuch gewickelt und eingesteckt. Die Messerattacke an der Klosterschule endete erst, als die Waffe nach fünf Stichen abbrach. „Das sind alles Zeichen für eine Störung, eine fehlende Empathie“, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Schuppner.

Der Prozess fand wegen des Alters des Angeklagten hinter verschlossenen Türen statt. Für die Urteilsverkündung waren auch Medien zugelassen.