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Bundesgerichtshof Reisig von Bäumen an Grundstücksgrenze zumutbar

Nachbar muss Laub dulden

Archivartikel

Karlsruhe.Wenn von Bäumen aus Nachbars Garten Grünzeug herüberweht, ist das in der Regel kein Grund, das Absägen zu verlangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied in Karlsruhe, dass Nachbarn natürliche Immissionen hinnehmen müssen, wenn der vom Landesrecht vorgegebene Mindestabstand der Bäume eingehalten wird. In dem Fall aus Heimsheim bei Pforzheim (Baden-Württemberg) hatte ein Grundstücksbesitzer verlangt, drei Birken auf dem Nachbargrundstück fällen zu lassen, weil Laub, Pollen, Zapfen und Reisig auf seinen Besitz fallen.

Ein Beseitigungsanspruch bestünde nur, wenn der Eigentümer der Bäume verantwortlich sei. Bei Störungen, die von Naturereignissen ausgehen, sei die Frage der ordentlichen Bewirtschaftung des Grundstücks entscheidend, so die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann. Eine ordnungsmäßige Bewirtschaftung liege in aller Regel vor, wenn die landesrechtlichen Abstandsregeln für die Pflanzung eingehalten werden. Das sei hier mit mindestens zwei Metern der Fall.

In anderen Fällen hatte der Senat eine Verantwortung auch verneint, wenn ein kranker Baum umstürzt, der aber gesund aussieht, oder Insekten von einem Grundstück auf ein anderes gelangen. Anders könne die Sache nur in Ausnahmefällen liegen. Welche das sein könnten, sagte Stresemann nicht. Eine Pollenallergie zum Beispiel reiche nicht, um das Fällen von Birken zu verlangen. Im entschiedenen Fall seien die Beeinträchtigungen zwar erheblich, aber nicht derart schwer, dass sie nicht mehr hinzunehmen seien. Der Kläger hat dem Urteil zufolge auch keinen Anspruch auf eine Geldzahlung, die er verlangt hatte, falls die Bäume stehen bleiben. Der Eigentümer sollte von Juni bis November monatlich 230 Euro Entschädigung zahlen.

Wenn Äste, Zweige oder Wurzeln über die Grundstücksgrenze wachsen, hat der Nachbar nach Paragraf 910 BGB aber das Recht, diese abzuschneiden, wenn sie die Benutzung des Grundstücks beeinträchtigen.

Das Amtsgericht Maulbronn hatte die Klage auf Beseitigung der Bäume abgewiesen, das Landgericht Karlsruhe hatte in der Berufung dem Kläger Recht gegeben. dpa

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