Vermischtes

Prozess Ehepaar fühlt sich durch Kühe auf Wiese nebenan gestört / Richter droht mit Nachtschicht

Nachbarn klagen über Glocken

München.Im „Holzkirchner Kuhglocken-Streit“ haben die seit Jahren beklagte Bäuerin, das Nachbarsehepaar und Vertreter der Gemeinde gestern vor dem Oberlandesgericht München (OLG) erneut um eine Lösung gerungen.

Das Gericht brachte eine neue Variante ins Spiel: Wenn sich die Parteien nicht einigen könnten, müsse man womöglich die Sache selbst in „Augen- und Ohrenschein“ nehmen, sagte der Vorsitzende Richter Johannes Nagorsen. Da es um die Nachtruhe gehe, würde es darauf hinauslaufen, „dass wir mit oder ohne Sachverständigen dort eine Nacht verbringen“.

Lärm, Fliegen und Gülle

Erst einmal suchte das Gericht nach Kompromissen. Ob es möglich sei, mit einer einzigen Kuhglocke auszukommen, warum es in einer umzäunten Weide überhaupt Glocken brauche – und was die Bäuerin von einer Entschädigung halte? Der Kläger habe klar gemacht, dass er sich großzügig zeigen würde, sagte Nagorsen. Doch die lehnte ab: „Ich bin nicht bestechlich.“ Die Weide sei die beste, die sie habe. Auch Vertreter der Gemeinde äußerten sich skeptisch, mit einer Entschädigung eine Einstellung der Weidehaltung zu erreichen. Die Gemeinde – ebenfalls beklagt, weil sie das Grundstück an die Bäuerin verpachtete – stütze die Landwirtschaft.

Das Ehepaar fühlt sich auch von Fliegen gestört und vom Ausbringen von Gülle. Nachdem erst der Mann und dann seine Frau in getrennten Prozessen vor dem Landgericht München II gescheitert waren, zog nun der Mann vor das OLG.

Beide waren in erster Instanz vor allem wegen eines vom Ehemann 2015 mit der Bäuerin geschlossenen Vergleichs gescheitert. Demnach dürfen nur im entfernteren Teil der Wiese Kühe mit Glocke grasen. Dem Paar war es aber weiterhin zu laut. Nun wird geprüft, ob der Vergleich den Kläger weiter bindet. dpa