Vermischtes

Coronavirus DRK-Mitarbeiter Kai Falke hilft auf der Quarantäne-Station in Germersheim

„Nein – ich habe keine Angst“

Germersheim.Er ist einer von 22 Freiwilligen. Kai Falke vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist ehrenamtlich für zwei Wochen in der derzeitigen Quarantäne-Station in der Germersheimer Südpfalz-Kaserne. Dort betreut er die Rückkehrer aus der besonders vom Coronavirus betroffenen chinesischen Region Wuhan. Ein Blick in die „Rote Zone“:

Herr Falke, haben Sie Angst?

Kai Falke: Nein – ich habe keine Angst. Unsere Schutzmaßnahmen sind hier sehr hoch. Wir desinfizieren nach dem Hygiene-Plan vom Amtsarzt. Ich habe wirklich keine Bedenken. Weder vor einer Infektion, noch davor, zu erkranken.

Als Sie sich entschlossen haben, in Quarantäne zu gehen – wie waren die Reaktionen Ihres privaten Umfelds?

Falke: Meine Frau fand das gut. Sie ist auch beim DRK und meinte zu mir: „Das ist das, was wir tun. Das ist das, wofür wir leben.“ Sie findet das richtig und würde es genauso tun.

Und Ihre Freunde? Familie? Gab es Gegenstimmen?

Falke: Nein.

Die Nachricht, dass die Wuhan-Rückkehrer in Germersheim untergebracht werden, kam ja recht kurzfristig. Haben Sie sich vorbereitet?

Falke: Im Roten Kreuz haben wir eine sehr vielfältige Ausbildung. Die bereitet uns natürlich auf die unterschiedlichsten Situationen vor. So einen Einsatz gab es hier zwar noch nie, aber durch diese Ausbildung können wir unser Wissen so transformieren, dass wir hier bestens gewappnet sind.

Wie kann man sich das vorstellen?

Falke: Ich bin im Bereich der Betreuung tätig. Dabei gibt es zwei Hauptkomponenten: Die eine ist die Unterbringung von Menschen und Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Die andere ist eine soziale Komponente. Das heißt, wir haben hier ausgebildete Einsatzkräfte, die psychosoziale Betreuung anbieten. Sie dienen als Ansprechpartner – für die Rückkehrer, aber auch für uns Helfer.

Auch die Helfer werden psychologisch betreut?

Falke: Wenn sie das möchten, ja.

War das denn schon einmal nötig?

Falke: Soweit ich das mitbekommen habe, nicht.

Wie ist es denn so in der Kaserne?

Falke: Der Umgang miteinander ist sehr gut. Unter uns Helfern funktioniert es, die Gruppendynamik ist sehr positiv. Auch unter den Betroffenen, glaube ich, bilden sich bereits Freundschaften.

Was macht man da so den ganzen Tag?

Falke: Wir sind damit beschäftigt, den Rückkehrern das Leben hier angenehm zu machen. Wir versorgen sie mit Essen und den kleinen Dingen, die sie tagtäglich brauchen. Für die Kinder gibt es Spielmöglichkeiten. Man versucht, das Ganze hier sehr normal zu gestalten: Fernseher, Internet und so weiter.

Wie fühlen Sie sich denn in dieser außergewöhnlichen Situation? Das muss ja auch für Sie persönlich etwas ganz Neues sein.

Falke: Ich habe so etwas in der Art schon 2015 in der Flüchtlingshilfe erlebt. Der einzige Unterschied ist, dass ich damals abends nach Hause gehen konnte. Ich war Zugführer für die Betreuung der Geflüchteten.

Die Helfer sind ja alle freiwillig und ehrenamtlich in der Quarantäne untergebracht. Bekommen Sie irgendeine Entschädigung?

Falke: Nein, wir werden nicht bezahlt. Wichtig sind hier in erster Linie unsere Werte. Einer der sieben Rotkreuzgrundsätze, auf denen unser Engagement fußt, ist ja genau die Freiwilligkeit. Wir bekommen in den seltensten Fällen eine Aufwandsentschädigung, haben aber auch keine Kosten. Vor diesem Hintergrund möchte ich mich auch noch einmal bei allen Helfern bedanken. Aber auch bei den Arbeitgebern, die uns hierfür freigestellt haben. 14 Tage – und das sehr spontan. Natürlich braucht man eine gewisse Ausbildung, um so etwas hier leisten zu können. Das erfordert zugleich ein Engagement und das Sammeln von Erfahrungen über das ganze Jahr hinweg. Deshalb ist unsere ganz alltägliche Arbeit im DRK-Kontext ebenso wichtig, wie es solche besonderen Einsätze sind.

Hut ab, das ist sehr beachtlich.

Falke: Danke, das werde ich weitergeben.

Denken Sie nicht, dass es auch Hauptamtliche in der Quarantäne geben sollte? Menschen, die dafür bezahlt werden?

Falke: Nein, das würde ich nicht sagen. Der Katastrophenschutz in Deutschland ist ehrenamtlich organisiert. Der kommt aus der Bevölkerung – und das ist auch gut so. In dieser Größe könnte man das hauptamtlich gar nicht stemmen. In dieser Situation wird eben größtenteils die gesteigerte und zusätzliche Versorgungs- und Betreuungskompetenz gebraucht.

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