Vermischtes

Kölner Stadtarchiv Ehemaliger Oberbauleiter soll Beseitigung von Hindernissen vorgetäuscht haben / Sieben Monate bis zur Verjährung

Neuer Prozess unter Zeitdruck

Köln.Obwohl der Fall in einem guten halben Jahr verjährt, hat gestern ein neuer Prozess zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs begonnen. Dem Landgericht bleibt daher nur Zeit bis Anfang März, dann muss das Urteil gesprochen sein. Die Richter können sich aber nicht auf das Beweismaterial aus einem seit Januar laufenden Verfahren stützen, sondern müssen die Zeugen noch einmal neu anhören.

Angeklagt ist ein ehemaliger Oberbauleiter. Ihm wird vorgeworfen, 2005 beim Bau einer neuen U-Bahn-Linie unter dem Archivgebäude die Beseitigung von Hindernissen vorgetäuscht zu haben. Damit habe er „Leib und Leben“ von Anwohnern, Passanten und Mitarbeitern des Stadtarchivs gefährdet, sagte Oberstaatsanwalt Torsten Elschenbroich. Der in Düsseldorf wohnende Angeklagte äußerte sich zunächst nicht. Sein Verteidiger erklärte aber, dass er hauptsächlich durch die Aussage eines ehemaligen Bauleiters belastet werde, der ein offenkundiges Eigeninteresse daran habe. Dieser ehemalige Bauleiter ist einer der Angeklagten in dem schon seit Januar laufenden Prozess. In diesem Verfahren sind vier Ex-Mitarbeiter von Baufirmen und den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) angeklagt, darunter ehemalige Beschäftigte des Mannheimer Bilfinger-Konzerns. Ein fünfter Angeklagter ist so schwer erkrankt, dass er nicht mehr verhandlungsfähig ist. Falls sich das ändert, muss sein Fall ebenfalls in einem eigenständigen Verfahren neu aufgerollt werden. Durch den Einsturz des Stadtarchivs 2009 waren zwei junge Anwohner ums Leben gekommen.

Fehler in Baustelle

Der Sachschaden beläuft sich nach Angaben der Stadt Köln auf mehr als eine Milliarde Euro. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wurde der Einsturz durch eine Fehlstelle in der U-Bahn-Baustelle verursacht. Die Baufirmen bestreiten das.

Bis zum Beginn des ersten Prozesses hatte es neun Jahre gedauert. Zunächst hatte die Bergung der verschütteten Archivdokumente Vorrang – darunter jahrhundertealte Ratsprotokolle und Heinrich Bölls Nobelpreisurkunde. dpa

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