Vermischtes

Trauer Viele Tränen fließen beim Abschiedsgottesdienst für die getötete Mia in Kandel

„Nicht nur Schmerz, sondern auch Zorn“

Kandel.Ein verschmitztes Lächeln umspielt den Mund des Mädchens. Umrundet von zwei Rosenherzen steht das Porträtfoto neben dem Altar in der Protestantischen St. Georgkirche in Kandel. Etwa 750 Menschen, darunter viele Schüler, haben sich hier versammelt, um gemeinsam mit den Angehörigen bei einem Trauergottesdienst Abschied von Mia zu nehmen. Die 15-Jährige war am 27. Dezember von ihrem Ex-Freund erstochen worden.

Sehr persönlich ist die Predigt, die Pfarrer Arne Dembek hält. Er hat das Mädchen vor nicht ganz zwei Jahren konfirmiert. Als er vor zwei Wochen begriffen habe, wer da getötet wurde, habe er angefangen zu suchen. „Ich wusste, es gibt noch eine Kiste mit Sachen, die Mias Konfirmandenjahrgang im Frühjahr 2016 gemacht hat.“ Er wollte etwas finden, das an die 15-Jährige erinnert.

Taube als letzter Gruß

Und wurde fündig: Eine Figur aus Ton sollten die Konfirmanden damals gestalten, als Symbol für Gott. „Mias Symbol war eine weiße Taube. Das alte Zeichen für den Frieden, für die Unschuld“, fährt Dembek fort. An jenem Tag sei Mias Mutter in die Kirche gekommen, dort wo die 15-Jährige getauft und konfirmiert wurde: „Zu ihrer Tochter hat man sie wegen gerichtsmedizinischer Untersuchungen nicht gelassen. Die Taube hat sie mit nach Hause genommen, wo sie nun auf dem Esstisch steht.“

Für ihre Familie sei es der zweite Abschied an diesem Tag: „Am Morgen haben wir Mia auf dem Friedhof zur letzten Ruhestätte begleitet.“ Er spricht aus, was viele denken: „Fassungslos stehen wir da und begreifen, wie ohnmächtig wir sind.“

Das Mädchen sei gestorben, weil ein anderer Mensch, einer, dem sie einst vertraut hat, sie getötet habe. „Deshalb ist da nicht nur Trauer und Schmerz, sondern auch brennender Zorn gegenüber dem Täter“, betont Dembek. Man könne jemanden, der einen anderen getötet habe, nicht damit entschuldigen, dass er aus einem anderen Land komme. Umgekehrt könne man aber auch nicht sagen, dass alle, die von dort kommen, Verbrecher seien. Wer das sage, mache es sich und dem Täter zu leicht.

Dembek mahnt, über der Frage nach dem Warum das Opfer nicht zu vergessen. Man solle sich an die 15-Jährige nicht erinnern, weil sie Opfer eines Verbrechens geworden sei, sondern weil „sie ein wunderbarer Mensch war.“ Voller Wärme spricht der Pfarrer über Mia, die Tiere geliebt hat, immer ihren eigenen Kopf und viele Pläne für die Zukunft hatte. „Es hätte nicht mehr lange gedauert, und sie wäre ihre eigenen Wege gegangen. Es ist anders gekommen. Der Schmerz ist unermesslich.“ Auch in der Kirche wird dies deutlich: Immer wieder ist Weinen zu hören, ein Junge wird heftig schluchzend aus dem Gotteshaus geführt.

Landesregierung kondoliert

Sein tiefstes Mitgefühl spricht auch Mias Schulleiter Rainer Sprotte aus. „Sie ist zu Beginn des Schuljahres zu uns gekommen und war bei ihren Mitschülern wegen ihrer ruhigen, freundlichen Art sehr beliebt. Wir werden sie sehr vermissen“, sagt er sichtlich bewegt.

Sehr berührt habe das Leid, das über die Familie gekommen ist, die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, wie der stellvertretende Ministerpräsident Volker Wissing (FDP) in Kandel sagt. Er trauere mit der Familie. „Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind mit den Eltern, der Familie und den Freunden“, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, welche Wunden und welchen Schmerz der Tod der geliebten Tochter hinterlässt.“ Ihre Solidarität gelte auch dem Bürgermeister und den Flüchtlingshelfern vor Ort. Diese seien unglaublichen Anfeindungen ausgesetzt.

„Mia war eine starke, junge Frau, mit verschmitztem Lächeln und ansteckendem Lachen“, betont Pfarrer Dembek am Ende der Predigt. „Wir vertrauen sie nun Gott an – seine Liebe ist stärker als der Tod.“ (mit dpa)

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