Vermischtes

Wissenschaft Für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkus werden drei Chemiker in Stockholm ausgezeichnet

Nobelpreis an Batterie-Forscher

Stockholm.Für die Entwicklung besonders leistungsfähiger Batterien bekommen drei Forscher den Nobelpreis für Chemie. Der US-Amerikaner John Goodenough, der in Großbritannien geborene Stanley Whittingham und der Japaner Akira Yoshino seien entscheidend an der Entstehung von Lithium-Ionen-Batterien beteiligt gewesen, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Die wiederaufladbaren und starken Batterien werden in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt, etwa Handys, Laptops, Digitalkameras und Elektro-Fahrzeugen.

Goodenough, der 1922 in Jena als Sohn US-amerikanischer Eltern zur Welt kam, ist mit 97 Jahren der älteste Nobelpreisträger überhaupt. Er wusste zunächst gar nichts von seiner Auszeichnung. Man habe ihn im Gegensatz zu den anderen beiden Preisträgern am Morgen nicht erreichen können, sagte Göran Hansson, der Generalsekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Als er erreicht wurde, sagte Goodenough: „Werde 97 und du kannst alles machen. Ich fühle mich geehrt und demütig, dass ich den Nobelpreis gewonnen habe.“

Der Anruf aus Stockholm erreichte Stanley Whittingham ausgerechnet in Ulm. Genau 30 Minuten bevor sein Name als einer von drei Gewinnern des Chemie-Nobelpreispreises öffentlich gemacht wurde, rief ihn die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften an – in der Stadt, die bei der Vergabe von Millionen-Förderung für eine Batterieforschungsfabrik vom Bundesforschungsministerium zugunsten von Münster übergangen wurde. In Ulm nahm der Wissenschaftler am Mittwoch an einer internationalen Konferenz für die Entwicklung hoch entwickelter Lithium-Batterien für Fahrzeuge teil. Whittinghams erste Reaktion: „Überraschung, Schock und ein Glücksgefühl.“

Akira Yoshino sieht in seinem Beitrag zur Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien eine Lösung für die Umweltprobleme unserer Zeit, sagte der Japaner im japanischen Fernsehen. „Ich freue mich darüber“, sagte der 71-Jährige strahlend. Er hoffe, dass der Preis an ihn „den jungen Forschern Mut macht“. Als Forscher brauche man „Flexibilität und Durchsetzungsvermögen“.

Arbeiten bauen aufeinander auf

Lithium-Ionen-Batterien könnten große Mengen an Solar- und Windenergie speichern und machten so eine Welt frei von fossilen Kraftstoffen möglich, teilte die Königlich-Schwedische Akademie mit. „Lithium-Ionen-Batterien haben unser Leben revolutioniert, seit sie 1991 auf den Markt kamen“, schreibt die Akademie. „Sie haben die Grundlage gelegt für eine drahtlose, von fossilen Brennstoffen freie Gesellschaft und sind für die Menschheit von größtem Nutzen.“

Die Beiträge der Preisträger bauen aufeinander auf. Whittingham entwickelte in den 1970er Jahren die erste funktionsfähige Lithium-Batterie, die allerdings anfällig für Explosionen war. Goodenough entwickelte 1980 wesentlich leistungsstärkere Batterien durch die Verwendung von Lithiumcobaltoxid (LCO). Yoshino schuf 1985 das erste kommerziell verwertbare Produkt. 1991 kam die Batterie auf den Markt. dpa

Zum Thema