Vermischtes

Organversagen Frau wird nicht ernst genommen und stirbt

Notdienst-Skandal empört Frankreich

Paris/Straßburg.Normalerweise melden sich Menschen beim Notruf, um Hilfe zu bekommen. Doch in den vergangenen Tagen mehren sich Droh-Anrufe gegen eine Notdienst-Stelle in Frankreich, deren Name in einen Skandal verwickelt ist. Ein Mitarbeiter hat nun Klage eingereicht.

Hintergrund ist ein Fall, der sich im Dezember vergangenen Jahres ereignete und vor wenigen Tagen ans Licht kam. In den letzten Stunden ihres Lebens erhielt Naomi Musenga keine Hilfe – sondern erntete Häme. Die 22-Jährige, die in einem Krankenhaus in Straßburg starb, hatte unter heftigen Schmerzen einen Notfall-Dienst angerufen. Groß ist die Empörung in Frankreich, seit die Aufnahme des Gesprächs auf der Internet-Seite des Regionalmagazins „Heb’di“ veröffentlicht wurde.

„Hallo. . . helfen Sie mir. . .“, hauchte Naomi Musenga in den Hörer. „Gut, also wenn Sie mir nicht sagen, was los ist, lege ich auf, ja?“, erwiderte die Telefonistin. „Ich habe. . . ich habe. . . Madame, ich habe große Schmerzen im Bauch. . .“, antwortete Naomi Musenga. Sie solle einen anderen Ärzte-Notdienst namens SOS Médecins anrufen, empfahl ihr die Servicekraft. „Ich kann nicht. . . Ich werde sterben.“

In der Tat – eines Tages werde sie sterben, so wie jeder Mensch, lautete die ruppige Antwort. „Ich kann Ihnen nicht helfen, ich weiß ja nicht, was Sie haben.“ Schnell war das Telefonat beendet.

Stunden später gelang es Naomi Musenga, doch den Ärzte-Dienst SOS Médecins zu erreichen, der sie ins Krankenhaus einliefern ließ, wo sie an mehrfachem Organversagen starb. Die Autopsie wurde allerdings erst fünf Tage später durchgeführt, als sich ihr Körper bereits in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung befand. Was genau den Tod der jungen Mutter einer einjährigen Tochter, die diese allein aufzog, verursacht hat und ob die zuständige Servicekraft eine Mitverantwortung daran trägt, soll eine Untersuchung ergeben. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung.

Familie reicht Klage ein

Die Familie Musenga hat Klage eingereicht, will aber ihrem Anwalt zufolge „nicht allein die Telefonistin belasten“. Die Gesprächsaufnahme belaste die Familie sehr, sagte ihre Schwester, Louange Musanga. „Jedes Mal, wenn wir es anhörten, hatten wir den Eindruck, Naomi ein zweites Mal sterben zu hören.“

Die zuständige Telefonistin, eine Notdienst-Mitarbeiterin mit langjähriger Erfahrung, die vorerst vom Dienst suspendiert wurde, hat sich anonym in den Medien geäußert. Sie stehe in ihrem Job unter großem Druck, hätte manchmal 2000 oder 3000 Anrufe am Tag entgegenzunehmen, rechtfertigte sie sich. Derzeit lebe sie eingesperrt zuhause.