Vermischtes

Unwetter Schäden im Südwesten geringer als befürchtet / Viele Einsätze wegen umgestürzter Bäume

Orkantief legt Deutschland lahm

Deutschland/Schweiz.Das Orkantief „Sabine“ ist am Montag über Baden-Württemberg hinweggefegt und hat dabei weniger Schäden angerichtet, als zunächst befürchtet. Zwar wurden Stromleitungen abgerissen, zahlreiche Bäume entwurzelt, Straßen gesperrt und einige Dächer abgedeckt. Allerdings erlitten nur einige Menschen Verletzungen, mindestens ein Autofahrer wurde jedoch schwer verletzt.

Die wirtschaftlichen Folgen von „Sabine“ dürften dagegen erheblich sein. Denn wo das Tief über das Land zog, fuhr kaum noch ein Zug. Zehntausende Pendler steckten fest, kamen nicht zur Arbeit oder blieben gleich im Homeoffice zu Hause. Dutzende Starts und Landungen am Flughafen in Stuttgart wurden gestrichen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bleibt es auch am Dienstag noch gebietsweise stürmisch; im Schwarzwald kann es demnach anfangs noch zu Orkanböen kommen.

Fast überall berichtete die Polizei am Montag von umgestürzten Bäumen, die zum Teil auf geparkte Autos gestürzt waren oder Straßen blockierten. Bauzäune wurden umgerissen, Werbetafeln umhergeweht, Klohäuschen stürzten um, mindestens ein Hallendach wurde abgedeckt. In Bad Rippoldsau-Schapbach (Kreis Freudenstadt) stürzte ein Baum in eine Hochspannungsleitung; in Pforzheim kam es wegen abgerissener Hochspannungsleitungen kurzfristig zu Stromausfällen. Hunderte Monteure waren nach Worten des Betreibers Netze BW unterwegs, um Störungen im Stromnetz zu beheben. In vielen Regionen hielten sich die Schäden aber in Grenzen.

In Frankfurt war in der Nacht zu Montag ein Baukran umgeknickt und ins Dach des Doms gekracht. Der Kran könne voraussichtlich erst Mitte der Woche entfernt werden, hieß es. „Es wäre bei dieser Wetterlage viel zu gefährlich, das jetzt schon zu tun“, sagte die Dombaumeisterin der Stadt, Julia Lienemeyer, am Montag. Wichtig sei nun, den Kran abzusichern und das Dach provisorisch zu schließen, damit kein Wasser in das Gewölbe eindringen kann. Einsturzgefahr bestehe nicht, der Kran stecke fest. Wie hoch der Schaden ist, blieb unklar.

36-Jähriger stirbt bei Unfall

In der Schweiz starb ein Mann bei einem Verkehrsunfall, der nach Angaben der Polizei wahrscheinlich durch starken Wind ausgelöst wurde. Wie die Kantonspolizei Freiburg mitteilte, geriet der Anhänger eines 35-Jährigen auf die Gegenfahrbahn und krachte dort mit dem Auto eines 36-Jährigen zusammen. Die Einsatzkräfte konnten nur noch den Tod des 36-Jährigen feststellen. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen davon aus, dass der Anhänger durch den Sturm auf die Gegenfahrbahn gedrückt wurde.

Sturm „Sabine“ hat auch die Stromproduktion aus Windkraft kräftig angetrieben. Zeitweise seien in Deutschland rund 43,7 Gigawatt Windstrom ins Netz eingespeist worden, sagte am Montag eine Sprecherin des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. Damit sei der bisherige Rekordwert von etwa 43,4 Gigawatt noch einmal übertroffen worden. Die Übertragungsnetzbetreiber sind für den Transport des Windstroms von den Küsten und aus Norddeutschland in den Süden zuständig.

Nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende stammten zwischen Sonntagmittag und Montagmittag mehr als drei Viertel des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien. Neben den Windrädern an Land und auf See habe am Sonntag tagsüber auch die Solarenergie zu der hohen Ökostromerzeugung beigetragen, sagte ein Sprecher. Der Windstrom alleine habe rund 60 Prozent des Stromverbrauchs gedeckt. Im vergangenen Jahr stammten etwa 43 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien.

Für die Netzbetreiber sei „Sabine“ eine große Herausforderung gewesen, da die Stromeinspeisung aus den Windkraftanlagen nicht gleichmäßig gewesen sei und sich Windräder bei zu starken Böen abgeschaltet hätten, sagte ein Sprecher des Betreibers Amprion. Für die Betreiber verlief das Orkantief glimpflich. Schäden an den Hochspannungsleitungen hat es den Angaben zufolge bei Amprion und Tennet durch den Sturm nicht gegeben. 

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