Vermischtes

Glücksatlas Gesundheit, Familie und Geld machen Deutsche froh / Regionen Baden, Württemberg sowie Rheinland Pfalz im Mittelfeld

Osten am wenigsten glücklich

Hamburg.Unendliche Weite, steife Brise und eine Handbreit Wasser unterm Kiel: Die seit Jahren zufriedensten Menschen in Deutschland, die Schleswig-Holsteiner, haben ihre Spitzenposition im aktuellen „Glücksatlas“ sogar minimal ausgebaut. Während sich die Zufriedenheit bundesweit auf einer Skala von null bis zehn für dieses Jahr mit 7,05 Punkten „auf hohem Niveau“ kaum verändert zeigt (2017: 7,07), preschen die Menschen im hohen Norden mit 7,44 Punkten (2017: 7,43) davon.

Doch der Abstand zu den Verfolgern verringert sich, wie auch der Unterschied zwischen ost- und westdeutschen Regionen deutlich kleiner wird. Das geht aus den Analysen von Wissenschaftlern und Marktforschern um den Sozialökonomen Bernd Raffelhüschen hervor, die die achte Atlas-Ausgabe im Auftrag der Deutschen Post erstellten. Von den „reichsten und zufriedensten Deutschen, die jemals in diesem Land gelebt haben“ sprach Raffelhüschen gestern in Hamburg.

Die anhaltend starke Konjunktur und Beschäftigungslage in Deutschland wurden als maßgebliche Faktoren ausgemacht. Zuletzt hatte der Herbstaufschwung am Arbeitsmarkt die Arbeitslosenzahl im September auf den niedrigsten Wert seit 1991 und die Arbeitslosenquote auf 5,0 Prozent gedrückt.

„Geld macht glücklich“, sagte Raffelhüschen. Beim Haushaltseinkommen und dem individuell verfügbaren Einkommen sei Deutschland deutlich vorangekommen. Folglich stieg die Zufriedenheit der Menschen hiermit von 2006 bis 2016 um rund 16 Prozent auf 6,4 Punkte. Allerdings sei der „Glückszuwachs“ durch einen zusätzlichen Euro bei Geringverdienern höher als bei Menschen mit hohem Einkommen, heißt es in der Studie.

Finnland ganz vorne

Wichtiger noch ist die Gesundheit (2018: 6,6). Aber vor allem sind die Menschen mit ihren Wohn- und Familiensituationen bei Werten von 7,9 und 7,8 Punkten weitestgehend im Reinen.

Mit ihrem Glücksgefühl sind die Deutschen nicht allein. Auch in Europa habe die Lebenszufriedenheit zugenommen, laut Eurobarometer auf 6,8 (6,7) Punkte. Vom Tal der Tränen – 2013 lag der Wert bei 6,2 Punkten – habe sich der Kontinent abgesetzt. Die einst von der Finanzkrise gebeutelten Länder Spanien und Portugal seien vorangekommen, und selbst Schlusslicht Griechenland habe einen Sprung um 0,4 auf 4,1 Punkte gemacht.

„Die Deutschen sind zufrieden – im Gegensatz zum Eindruck des Jammerlappens in Europa“, konstatierte der 61-jährige Raffelhüschen. Andere internationale Wissenschaftler hatten Finnland in diesem Jahr zum glücklichsten Land der Welt erkoren. Kein anderes Volk sei langlebiger, freigiebiger und weniger korrupt als die Finnen. Auf den Plätzen folgten Norwegen, Dänemark und Island. Deutschland schaffte es laut „World Happiness Report“ auf Platz 15.

In Deutschland verringerte sich unterdessen der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland erneut (0,20 nach 0,22 Punkten). Auch der Unterschied zwischen der Region mit den zufriedensten und den weniger glücklichen Menschen blieb laut Auswertung mit „nur 0,6 Punkten“ Differenz auf dem niedrigen Vorjahresniveau.

Auch andere Gründe

Zu den glücklichen Menschen zwischen Nord- und Ostsee im hohen Norden hat Hamburg mit 7,36 (7,28) Punkten weiter aufgeschlossen und seinen Vorsprung vor den Hessen (2018: 7,27 Punkte) und Franken (7,26) ausgebaut, die jeweils einen Platz gutmachten.

Nicht die objektiven Lebensumstände seien für das Wohlbefinden im Norden ausschlaggebend, resümierte der Ökonom. „Die Mentalität ist treibend.“ Denn neben Geld, Gesundheit und Gemeinschaft sehen die Studienverfasser auch die genetische Disposition als einen Glücksfaktor – also Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität. „Im Plattdeutschen gibt es eine Menge Worte für Gemütlichkeit“, merkte der im schleswig-holsteinischen Niebüll geborene Raffelhüschen an.

In Ostdeutschland prägte sich das positive Lebensgefühl in Thüringen (7,03 nach 6,97) und Mecklenburg-Vorpommern (6,96/6,89) stärker aus. Trotz alledem bleiben alle dortigen Regionen in der unteren Tabellenhälfte hängen. Für die Berliner ist es gut, wie es ist (jeweils 6,94).