Vermischtes

Festivals Mit einem speziellen Konzept wollen die Veranstalter des „Southside“ gegen sexuelle Übergriffe vorgehen

„Panama“ soll vor Belästigung schützen

Archivartikel

Neuhausen ob Eck.Musik-Festivals sind immer auch Urlaub vom Alltag. Feiern, die Nacht zum Tag machen, häufig raue Mengen Alkohol. Leider hat diese enthemmte Party-Atmosphäre auch ihre Schattenseite. Fälle von sexuellen Belästigungen und sogar Missbrauch haben spätestens seit der „Me-too“-Debatte mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Die Organisatoren des Southside-Festivals, das am Sonntagabend wieder mit 60 000 begeisterten Besuchern im schwäbischen Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen über die Bühne ging, haben darauf reagiert und ein Konzept entwickelt, mit dem Betroffene schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen. Wer sich bedroht oder belästigt fühlt, wendet sich mit dem Satz „Wo geht’s nach Panama?” an einen Security- oder Festival-Mitarbeiter mit speziellem Bändchen – und wird sofort in einen Schutzraum abseits des Trubels gebracht. Aber wieso Panama, dieses kleine Land in Mittelamerika? „Das haben wir uns im Team überlegt. Es musste ein Wort sein, das einerseits einfach zu merken ist, aber andererseits in Deutschland nicht in alltäglichen Konversationen vorkommt“, sagte Mit-Initiator Jonas Rohde vom Southside-Veranstalter FKP Scorpio dieser Zeitung.

Das Sicherheitsgefühl auf Festivals habe „Panama“ in den zwei Jahren seit seiner Einführung erheblich verbessert, auch andere Veranstalter haben die Idee übernommen. „Panama ist längst nicht mehr nur ein Vor-Ort-Konzept, sondern eine ganze Bewegung geworden, die das Thema in die Öffentlichkeit trägt“, erklärt Rohde. Er berichtet von einem Fall auf dem Southside-Schwester-Festival Hurricane, bei dem sich eine Frau belästigt fühlte, „Panama” rief und sofort von anderen Besuchern geschützt wurde. Beim Southside wurde das Codewort laut Rohde 2018 zehn Mal benutzt. Was sexuelle Grenzüberschreitungen angeht, verfolgt Veranstalter FKP Scorpio eine „Null-Toleranz“-Strategie. Zuletzt hatte es bei „Rock am Ring” Aufregung gegeben, weil eine Gruppe junger Männer mit Jacken mit der Aufschrift „Triebtäter” über das Gelände lief. „Da gibt’s keine zwei Meinungen. Wenn wir von solchen Vorfällen erfahren, wird der Verantwortliche umgehend vom Festival entfernt. Da verstehen wir keinen Spaß”, betont Rohde.

Urlaub vom Alltag war auf dem Southside 2019 bei starken Auftritten von den Foo Fighters, The Cure oder den Toten Hosen weiterhin geboten, aber auch beim Feiern müssen die Regeln gegenseitigen Respekts eingehalten werden. Eigentlich selbstverständlich.