Vermischtes

Bluttest-Affäre Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg erklärt seinen Rücktritt

Paukenschlag im Uniklinikum

Archivartikel

Heidelberg.Die Bluttest-Affäre an der Heidelberger Uniklinik hat nach der Abberufung des stellvertretenden kaufmännischen Geschäftsführers Markus Jones ein weiteres personelles Opfer gefordert – diesmal ganz oben an der Spitze: Andreas Draguhn (Bild), Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, ist von seinem Posten zurückgetreten. Das teilte das Uniklinikum am Donnerstag mit.

In einem Schreiben an Bernhard Eitel, Rektor der Universität, und ans baden-württembergische Wissenschaftsministerium übernahm Draguhn „die Verantwortung“ für die Affäre. Der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner wollte sich zum Fall nicht äußern. „Personelle Entscheidungen obliegen allein den zuständigen Einrichtungen.“ Er lobte allerdings die Aufklärung des Skandals. Die Universität und das Universitätsklinikum würden die Vorgänge „in aller Konsequenz“ angehen. „Das ist der einzig richtige Weg“, sagte der Oberbürgermeister.

Nach dem Paukenschlag herrschte ansonsten großes Schweigen. Weder der Unirektor noch die Leitung des Uniklinikums wollten sich zum Rücktritt des Dekans äußern. Auch die Stellungnahme der Wissenschaftsministerin Theresa Bauer (Grüne) fiel recht dünn aus: „Die Entscheidung von Herrn Prof. Draguhn, vom Amt des Dekans zurückzutreten, nehmen wir mit großem Respekt zur Kenntnis. Wir danken ihm für die vielfältige Arbeit.“

„Machtmissbrauch und Eitelkeit“

In seinem Schreiben blieb Draguhn die Antwort darauf schuldig, ob er in der Affäre Fehler gemacht habe. Er gab nur zu Protokoll, was schon bekannt ist. Dass sein „Handeln“ zum Gegenstand „offizieller Untersuchungen“ geworden sei und „in Teilen der Öffentlichkeit anhaltend kritisch diskutiert“ werde. „Mit meinem Entschluss möchte ich hierfür die Verantwortung übernehmen und hoffe, damit dem Amt, der Fakultät und der Universität zu dienen.“ Den Posten als Abteilungsleiter Neuro- und Sinnesphysiologie am Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Medizischen Fakultät Heidelberg darf er allerdings behalten. Neuer Dekan wird sein Stellvertreter Hans-Georg Kräusslich. Er ist Abteilungsleiter Infektiologie und Virologie am Zentrum für Infektiologie des Uniklinikums.

Erst vergangene Woche hatte eine externe Kommission ihren Zwischenbericht zur verfrühten Veröffentlichung des Heidelberger Brustkrebs-Bluttests vorgestellt. Dabei war von „Führungsversagen, Machtmissbrauch und Eitelkeit“ die Rede. Als Dekan saß Draguhn im Vorstand des Uniklinikums und war der Chef von Christof Sohn, dem Leiter der Frauenklinik. Dieser hatte den Skandal im Februar ins Rollen gebracht. Sohn hatte den Test damals der Öffentlichkeit in einer großen PR-Kampagne als einen Meilenstein der Krebsforschung vorgestellt. Das Produkt solle noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Doch das erwies sich als eine Luftnummer. Das Uniklinikum, das den Test in einer Presseerklärung ebenfalls als Durchbruch präsentiert hatte, musste sich anschließend entschuldigen.

Nach dem Skandal beauftragte der Aufsichtsrat des Uniklinikums die Kommission unter Leitung der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt sowie den Präsidenten der Leibnitz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner. Außer Sohn kritisierte die Kommission Draguhn und die Vorstandsvorsitzende Annette Grüters-Kieslich. Beide hätten „einen hinreichenden Kenntnis- und Informationsstand“ und deshalb auch die Möglichkeit gehabt, die Veröffentlichung zu stoppen. Sie hätten es aber „aus falsch verstandener Kollegialität nicht getan “. Auch Kleiner wollte Draguhns Schritt nicht kommentieren: „Fragen Sie den Aufsichtsrat.“ Aber der schweigt ja auch.

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