Vermischtes

Volkstrauertag Britischer Thronfolger und seine Frau Camilla zu Besuch, um Opfern von Krieg und Gewalt zu gedenken / Aufruf zu gemeinsamem Handeln gegen Terror

Prinz Charles beschwört Partnerschaft

Archivartikel

Berlin.Der britische Thronfolger Prinz Charles hat 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die tiefe Partnerschaft zwischen Großbritannien und Deutschland beschworen. „Gemeinsam sind wir eine unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt“, sagte der Prinz am Sonntag beim zentralen Gedenken zum Volkstrauertag im Bundestag. Beide Länder sollten entschlossen jene Werte verteidigen, die man teile – weltweit als Verfechter der Menschenrechte und der regelbasierten internationalen Ordnung.

Der Thronfolger war schon am Samstagabend trotz der großen Beschränkungen wegen der Corona-Krise gemeinsam mit seiner Ehefrau, Herzogin Camilla, nach Berlin gekommen. Prinz Charles, das älteste Kind der Queen, hatte am Samstag Geburtstag und wurde 72.

Covid-Erkrankung hinter sich

Im März durchstand Charles eine Corona-Infektion. Während andere Teilnehmer wie der Prinz während der Gedenkveranstaltung im Bundestag ihren Mund-Nasen-Schutz abnahmen, trug Camilla ihn auch während der Zeremonie.

Prinz Charles hielt seine Rede im Wechsel auf Deutsch und Englisch –auch das war als Geste der Verbundenheit mit dem ehemaligen Kriegsgegner zu werten. Er sprach Krisen und Kriege auf der Welt an, aber auch die Weltgesundheit, die Impfstoffentwicklung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und die Themen sauberes Wachstum, erneuerbare Energien, den Schutz der Wälder sowie die bedrohte Artenvielfalt und den Klimaschutz – auch in Entwicklungsländern.

„Diese Krisen rufen uns dazu auf, gemeinsam zu handeln“, mahnte der Prinz. Angesichts der Bedrohungen für die gemeinsamen Werte und Freiheiten müsse man wachsam bleiben und entschieden gegen „Akte unsagbarer Grausamkeit“ gegen Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer Überzeugungen vorgehen. „Unsere beiden Länder sind instinktive Problemlöser, die gemeinsam von innovativen und praktischen Lösungen für die Herausforderungen arbeiten, mit denen wir uns auf der Welt konfrontiert sehen.“

Die Opfer von Krieg, Verfolgung und Gewaltherrschaft „inspirieren uns, für eine bessere Zukunft zu streiten. Lassen Sie uns dies zu unserem gemeinsamen Anliegen machen“, rief Charles auf.

Der Prinz sprach direkt die laufenden Brexit-Verhandlungen zum Ausstieg der Briten aus der EU an. Die Schicksale beider Länder seien in erheblichem Maße voneinander abhängig, sagte er. Nachdem sich das Vereinigte Königreich für eine Zukunft außerhalb der EU entschieden habe, verändere sich die Beziehung nun aufs Neue. Er sei aber „der festen Überzeugung, dass die zentralen Bande zwischen uns stark bleiben werden. Wir werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein“, sagte der Prinz auf Deutsch.

„Lassen Sie uns diese Bande zu Beginn dieses neuen Kapitels in unserer langen Geschichte für die bevorstehenden Jahre festigen“, ergänzte der Thronfolger. „Wir sind so sehr in die Zukunft des jeweils anderen Landes eingebunden, dass unsere nationalen Interessen – auch wenn sie unterschiedlich sein mögen – immer miteinander verflochten sein werden“, betonte er auf Deutsch.

„Außergewöhnliche Zeiten“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte mit dem Versprechen einer weiterhin engen Partnerschaft auf den Berlin-Besuch der Royals. „Wir Deutsche sind Prinz Charles und Herzogin Camilla tief dankbar für diese außergewöhnliche Geste der Versöhnung und der Verbundenheit in außergewöhnlichen Zeiten“, erklärte Steinmeier.

Gemeinsam mit dem Prinzen und Repräsentanten der Verfassungsorgane nahm der Bundespräsident auch an der Kranzniederlegung zum Volkstrauertag an der Neuen Wache teil. Die Neue Wache in Berlin-Mitte am Boulevard Unter den Linden ist seit 1993 die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik für die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft.

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag – immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent. Er wird in Deutschland seit 1919 begangen – ursprünglich, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt Deutschland aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. dpa

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