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Mobilität Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club stellt Verkehrsprojekte aus dem Ausland vor / Autofreie Sonntage oder Schnellwege

Radverband sucht Vorbilder

Archivartikel

Berlin.Autofreie Sonntage auf vielen Straßen, stark verkehrsberuhigte Viertel, groß angelegte Umwidmungen von Straßen für den Radverkehr – von solchen Beispielen aus dem Ausland erhofft sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Inspirationen für Deutschland. Am Freitag stellt der Club einige dieser potenziellen Vorbild-Projekte vor. In einem Online-Symposium wird darüber diskutiert, ob und wie sie sich in Deutschland umsetzen ließen. ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork versprach im Vorfeld: „Alle Beispiele, die wir vorstellen, sind mit deutschen Regelwerken vereinbar.“ Ein Überblick:

Barcelona

Seit 2017 setzt man in Barcelona auf „Superblocks“. In Quartieren von drei mal drei Wohnblöcken wird das Auto größtenteils verdrängt. Die Geschwindigkeit wird auf zehn Stundenkilometer beschränkt, es gibt Einbahnstraßen, Kraftfahrzeuge dürfen nur noch links abbiegen. Die Gebiete sollen so nur für Anwohner und den Lieferverkehr sinnvoll zu befahren sein. Gleichzeitig werden Grünflächen, Radwege oder Sitzflächen geschaffen. Laut ADFC verdoppelten sich die Grünflächen, die Stickstoffdioxid-Emissionen sanken um ein knappes Viertel und die Viertel wurden lebenswerter. Die Anzahl kleiner Läden in den Begegnungsbereichen sei um 30 Prozent gestiegen. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), sagte, das Konzept gehe weit über die „verkehrsberuhigten Bereiche“ hinaus. Ansätze für eine solche Umgestaltung gebe es etwa in Berlin, sie würden von Anwohnern sehr kritisch begleitet.

London

„Mini-Hollands“ werden drei Außenbezirke Londons genannt, die mit jeweils 30 Millionen Pfund (rund 33,4 Millionen Euro) Zuschuss von der Stadt fahrradfreundlicher gemacht wurden. „Mit dieser Finanzspritze könnte auch in deutschen Kommunen einiges beschleunigt werden“, so Brockmann. Es wurden von der Straße getrennte Radwege, Fahrradparkhäuser und Radschnellwege ins Zentrum angelegt. Es gibt „modale Filter“, die nur bestimmte Fahrzeuge – wie Fahrräder oder Busse – durchlassen. Statt Parkplätzen wurden „Parklets“ angelegt, kleine Bereiche mit Grünflächen. Laut ADFC nahm der Verkehr in den verkehrsberuhigten Zonen um etwa die Hälfte ab. Anwohner fuhren mehr Rad, gingen mehr zu Fuß, Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung gingen zurück. Der Einzelhandel nahm um 30 Prozent zu.

Bogotá und Stockholm

Viele Straßen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá sind an Sonn- und Feiertagen autofrei – und das bereits seit mehr als 45 Jahren. Insgesamt 127 Straßenkilometer stehen damit an 70 Tagen im Jahr Fußgängern und Radfahrern frei. Die autofreien Straßen sind in zehn Hauptachsen unterteilt, die 145 Routen und Rundkurse ermöglichen.

In Stockholm sperrt man seit 2017 mehrere Straßen gleich den ganzen Sommer lang für den Auto- und Lkw-Verkehr. Von Mitte Mai bis Mitte September entstehen dort stattdessen Fußgängerzonen mit Pflanzen, Möbeln oder Pop-Up-Parks. Bei 58 bis 71 Prozent der Anwohner – je nach Straße – finden die Maßnahmen demnach Zustimmung.

Paris

Die französische Hauptstadt ist eigentlich stark vom Autoverkehr dominiert. Seit 2015 gibt es aber den „Plan Vélo“, laut ADFC eines der größten Projekte der Radverkehrsförderung weltweit. Ziel ist, Hunderte Kilometer Straße in ein durchgängiges Radverkehrsnetz umzuwidmen. Bereits 300 Kilometer Radwege wurden umgesetzt. Laut ADFC stieg die Zahl der Radler wenige Monate nach Öffnung der neuen Radwege um rund die Hälfte. Mehr Frauen, Eltern und ältere Menschen legten nun ihre Wege mit dem Rad zurück. Paris habe schnell ein großes Radverkehrsnetz realisiert, so Brockmann. „Ein großes Netz ist aber noch kein sicheres Netz.“ Viele deutsche Kommunen seien zudem bereits auf einem besseren Niveau. dpa

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