Vermischtes

Muttertag Corona verändert mit Homeoffice und Kurzarbeit die Situation von Familien zu Hause

Rollentausch oder Rolle rückwärts?

Archivartikel

Mainz.Obwohl es viele Paare anders machen wollen, entscheiden sich viele nach der Familiengründung dann doch für die klassische Arbeitsteilung: Frauen sind primär für Haushalt und Kinder zuständig, Männer für’s Geldverdienen: „Wir kommen bei der traditionellen Rollenteilung nur in Minischritten voran, vor allem wenn Kinder da sind“, sagt Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut. Das Verhalten der Geschlechter gleiche sich nur ganz langsam etwas an, stellt auch Florian Schulz vom Staatsinstitut für Familienforschung der Universität Bamberg fest.

„Frauen übernehmen seit 20, 30 Jahren etwa zwei Drittel der Hausarbeit und Männer ein Drittel der unbezahlten Arbeit“, sagt der Soziologe. Diese Tendenzen gebe es auch schon bei Kindern, wie seine neue Studie zeige. „Mädchen machen mehr Hausarbeit als Jungen und auch dabei gibt es eine Verteilung von etwa zwei Drittel zu einem Drittel.“ Bringt nun das Familienleben in der Krise mit Homeoffice, Kurzarbeit und Homeschooling den Wandel?

„Mütter tragen Hauptlast“

„Viele Mütter tragen die Hauptlast der Corona-Maßnahmen“, sagt der Präsident der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie (eaf), Martin Bujard. Er verweist auf die repräsentative Mannheimer Corona-Studie, die Paare 2018 und Mitte April 2020 befragt hat. Paare, bei denen in der Corona-Krise beide versuchten ihre Berufstätigkeit und die Kindererziehung samt Homeschooling unter einen Hut zu bekommen, gingen oft an und über ihre Belastungsgrenze. Damit nicht ein großer Teil dieser Elternpaare in einen Burnout hineinlaufe, fordern Bujard und die eaf die Einführung einer Corona-Familienarbeitszeit. Sowohl Mütter als auch Väter sollen bei ihren Arbeitgebern eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit beantragen und dafür teilweisen finanziellen Ausgleich bekommen, vor allem Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen.

Bujard sieht aber auch noch andere Gruppen: Familien, in denen die Erwerbsarbeit der Väter hoch bleibt oder gar zunimmt, etwa, weil diese in Krisenstäben vertreten sind. „In diesen Familien droht eine Retraditionalisierung der Arbeitsverteilung.“ Väter, die dagegen nicht erwerbstätig und vollständig zu Hause sind, weil sie etwa in der Gastronomie arbeiten oder in Kurzarbeit sind, seien dagegen nun „ungeplant in einer aktiveren Vaterrolle“.

Nach Einschätzung von Manuela Barisic von der Bertelsmann Stiftung „deutet vieles darauf hin, dass sich die Ungleichheitsdynamiken zwischen Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt verschärfen werden“. Dazu komme, „dass Frauen und Mütter in der aktuellen Krise auch einen Großteil der zusätzlichen Last zu Hause tragen, da Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen sind“. Die Folge: eine Verstärkung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der „Care-Arbeit“. Besonders schwierig sei diese Situation für Alleinerziehende.

Die Wissenschaftlerin sieht aber auch eine Chance: „Da zurzeit auch viele Männer und Väter von zu Hause arbeiten und sehen, was Frauen und Mütter an Care-Arbeit leisten, könnte dies zu einer wichtigen Erfahrung werden und einen kulturellen Wandel einläuten.“ Um langfristig nachhaltige Veränderungen zu erzielen, müsse dieser allerdings durch eine Reihe institutioneller Rahmenbedingungen flankiert werden – vom Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung bis zu Anreizen im Steuersystem.

Chance auf mehr Verständnis

Das Zusammenleben zu Hause unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie bietet auch nach Einschätzung des Soziologen Schulz die Chance für wachsendes Verständnis der Abläufe und neue Abmachungen. Es könne aber auch Stress entstehen, weil klare Absprachen und Regelungen viele Diskussionen und Verhandlungen erforderten. dpa

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