Vermischtes

Unglück Mehrere Tote und Dutzende Verletzte bei teilweisem Einsturz eines Wohnblocks / Suchtrupps bergen Kleinkind aus den Trümmern

Russland nach schwerer Gasexplosion erschüttert

Archivartikel

Magnitogorsk.Eine schwere Gasexplosion in Magnitogorsk mit Toten und Dutzenden Vermissten hat in Russland das Neujahrsfest überschattet. Im Schutt eines teilweise eingestürzten Wohnblocks fanden Retter bis Dienstagnachmittag (Ortszeit) acht Leichen. Zugleich blieb das Schicksal von mehr als 35 Menschen ungeklärt, von denen viele unter den Trümmern vermutet wurden. Präsident Wladimir Putin flog am Silvesterabend aus dem Urlaub in die Industriestadt am Ural und sprach mit Einsatzkräften und Opfern.

Es gelang den Rettern gestern, einen schwer verletzten zehn oder elf Monate alten Jungen zu bergen. „Ein Kind ist lebendig unter den Trümmern gefunden worden“, sagte der Gouverneur des Gebietes Tscheljabinsk, Boris Dubrowski, der Agentur Interfax zufolge. Das Kind wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

Die Explosion am Montag um 4 Uhr Ortszeit (0 Uhr MEZ) hatte einen ganzen Aufgang eines großen Wohnblocks aus Sowjetzeiten wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lassen. Warum es zu dem Unglück kam, war gestern Nachmittag noch unklar. In einem Kraftakt wenige Stunden vor dem neuen Jahr zogen die Behörden Rettungskräfte, Gerät und Hundestaffeln aus weiten Teilen Sibiriens und aus Moskau in Magnitogorsk zusammen. Die Industriestadt liegt am Ural etwa 1400 Kilometer östlich der Hauptstadt.

Retter in Gefahr

Doch nicht nur die Kälte mit bis zu 20 Grad Frost erschwerte die Suche. Weitere Hausteile drohten auf die Suchmannschaften hinabzustürzen. Deshalb unterbrach die Einsatzleitung gestern die Suche nach den Vermissten. Die Retter verlegten sich darauf, zunächst gefährliche Stahl- und Betonteile zu entfernen. „Die Arbeit geht weiter, nur auf andere Art“, sagte ein Zivilschutz-Sprecher. Den Angaben nach waren mehr als 1000 Helfer im Einsatz.

Putin traf in Magnitogorsk mit dem Rettungsstab zusammen und besuchte Verletzte im Krankenhaus. Im russischen Fernsehen wandte er sich an die Bevölkerung: „Gerade am Feiertag soll man nicht nur, da muss man der Toten und der Verletzten gedenken“, sagte er. „Das gehört zum Charakter unseres Volkes.“

Gouverneur Dubrowski sagte den Betroffenen schnelle Entschädigungen und Hilfe bei der Beschaffung von neuem Wohnraum zu. Die Staatsführung reagierte damit viel schneller und hilfsbereiter als bei der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum der sibirischen Stadt Kemerowo im März dieses Jahres mit 64 Toten. Der hartherzige Umgang mit den Opfern hatte den Behörden damals Kritik eingetragen.

Das Schicksal der offiziell 110 Bewohner aus 48 zerstörten Wohnungen klärte sich nur sehr langsam. Einige konnten unverletzt, andere nur mit Verletzungen gerettet werden. Wieder andere Bewohner hatten die Nacht nicht zuhause verbracht und meldeten sich später bei den Behörden. Eine ältere Hausbewohnerin überstand die Explosion. „Es hat bei mir die Balkontür herausgehauen“, sagte sie der Agentur Tass. „Ich bin wie durch ein Wunder noch am Leben.“ dpa