Vermischtes

Kinderbücher Astrid Lindgrens Roman-Heldin Pippi Langstrumpf wird 75

Schlagfertig und stark wie keine andere

Stockholm.Die wohl größte Erfolgsgeschichte der Weltliteratur für Kinder begann am Bett eines siebenjährigen schwedischen Mädchens. „Pippi Langstrumpf wurde in dem Moment geboren, als ich zu meiner Mutter sagte: Bitte erzähl’ mir mehr Geschichten“, erinnert sich Astrid Lindgrens Tochter Karin Nyman. Sie habe damals krank im Bett gelegen und gewollt, dass ihre Mutter sie weiter unterhalte. Fast schon verzweifelt habe Lindgren darauf gefragt, was sie ihr denn noch erzählen könne, sagt Nyman. „Und da habe ich gesagt: Hmm, erzähl’ mir von Pippi Langstrumpf! Es war bloß ein Name, der mir in den Sinn gekommen ist.“

Aus dieser juxen Idee ist eine der weltweit bekanntesten Kinderbuchfiguren geworden. Astrid Lindgrens Bücher über die Abenteuer des stärksten Mädchens der Welt sind in 77 Sprachen übersetzt worden, knapp 66 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, darunter rund 8,6 Millionen allein in Deutschland. Millionen von Kindern haben sich von Pippis wilden Geschichten begeistern lassen, sei es in Lindgrens Werken oder den ebenso berühmt gewordenen Pippi-Filmen mit Inger Nilsson in der Hauptrolle.

Erstausgabe erschien 1945

Ganz besonders in Deutschland hat Pippi Langstrumpf Generationen von Kindern geprägt wie kaum eine zweite. Und Pippi ist bis heute Vorbild für Heranwachsende in aller Welt, hat aber auch den Feminismus und den Respekt vor Kindern herangebracht. All das war am zehnten Geburtstag von Karin Nyman noch undenkbar. Damals, am 21. Mai 1944, erhielt sie von ihrer Mutter ein ganz besonderes Geschenk. „Ich habe das Manuskript von Pippi Langstrumpf bekommen, als ich zehn Jahre alt geworden bin“, sagt Nyman im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ein Jahr später, im Jahr 1945, kam „Pippi Långstrump“ in der schwedischen Erstausgabe in den Handel – das ist der Grund, warum in diesem Jahr offiziell der 75-jährige Geburtstag von Pippi Langstrumpf gefeiert wird.

Bis all das nachgeholt werden kann, bleibt den Fans von Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf immerhin das Schwelgen in alten Geschichten – und natürlich das Schmökern in den alten Büchern. Schon im ersten Buch, das im Herbst 1949 für 2,80 Mark in den deutschen Handel kam, lernt der Leser eine bis dahin völlig untypische und bis heute unerreichte Kinderbuchfigur kennen: Die rothaarige und sommersprossige Pippi Langstrumpf lebt am Rande einer namenlosen Kleinstadt in einem großen Haus, der Villa Kunterbunt, die sie sich mit ihrem Äffchen Herr Nilsson und dem Schimmel Kleiner Onkel teilt. Die Nachbarschaftskinder Tommy und Annika freunden sich mit Pippi an. Mit ihren verrückten Einfällen und ihrem losen Mundwerk nimmt sie die beiden auf unglaubliche Abenteuer mit.

Das wohl erste Kind, das Pippi Langstrumpf auf Deutsch lesen durfte, war Silke Weitendorf. Ihr Stiefvater, der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger, hatte Pippi Langstrumpf einst nach einem Besuch bei Astrid Lindgren in Stockholm nach Deutschland geholt, ihre Mutter ihr schließlich das Manuskript mit nach Hause gebracht. Für Weitendorf verkörpert Pippi „all das, was Kinder an Sehnsüchten und Wünschen und Träumen haben. Das manifestiert sich bei ihr mit sehr viel Spaß – und mit so vielen Einfällen, dass es geradezu wahnsinnig ist.“

Der Verlag Friedrich Oetinger, der damals bereits die deutsche Erstausgabe veröffentlicht hatte, hat zu Pippis 75. Geburtstag eine Reihe von Jubiläumsprodukten und Neuerscheinungen herausgebracht. Zudem haben Lindgrens Nachfahren gemeinsam mit Save the Children die Kampagne „Pippi of Today“ (Pippi von heute) ins Leben gerufen, um auf die prekäre Lage von Mädchen auf der Flucht aufmerksam zu machen. dpa

Zum Thema