Vermischtes

Schüsse in Wien laut Innenminister "augenscheinlicher Terroranschlag"

Archivartikel

Wien.Bei der mutmaßlichen Terrorattacke in Wien ist laut Polizei am Montagabend ein Täter erschossen worden. Im Bereich einer Synagoge seien mehrere Täter mit Langwaffen unterwegs gewesen. Es gebe sechs Tatorte. Ein Passant sei getötet worden. In der Innenstadt waren zuvor Schüsse gefallen. Die Polizei suchte am späten Abend weiterhin nach Tatverdächtigen. "Wir sind nach wie vor im Kampf gegen die mutmaßlichen Terroristen", sagte Innenminister Karl Nehammer im ORF.

15 Verletzte seien in Krankenhäuser eingeliefert worden. Das sagte der Sprecher des Wiener Gesundheitsverbunds, Christoph Mierau, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Mindestens sieben der Opfer hätten schwere Verletzungen davongetragen.

>> Die weitere Entwicklung in Wien im Liveblog

Nach Angaben des Wiener Rettungsdienstes habe es bei der mutmaßlichen Terrorattacke mehrere Tote und Verletzte gegeben. "Zahlenmäßig eingrenzen können wir das noch nicht, wir sind noch dabei, uns einen Überblick zu verschaffen", sagte der Sprecher der Wiener Berufsrettung, Daniel Melcher, der österreichischen Nachrichtenagentur APA am Montagabend.

Die Polizei hatte zuvor auf Twitter berichtet, dass es einige Verletzte gegeben habe. Die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete unter Berufung auf das Innenministerium, dass es eine Festnahme gegeben habe. Einer Ministeriumssprecherin zufolge wurde bei dem Schusswechsel in der Nähe des Schwedenplatzes ein Polizeibeamter angeschossen und schwer verletzt.

Ob die nahe gelegene Synagoge Ziel des Angriffs war, lasse sich noch nicht bestätigen, sagte die Sprecherin weiter. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Eine ORF-Reporterin berichtete, dass weite Teile der Innenstadt abgesperrt seien und die Polizei nach etwaigen weiteren Tätern suche.

Nach Angaben des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig ist noch unklar, wie viele Täter an dem mutmaßlichen Terrorangriff in der österreichischen Hauptstadt beteiligt waren. Auch zu den Hintergründen gebe es noch "keine gesicherten Erkenntnisse", sagte der 59-Jährige am Montagabend im ORF. Ludwig erklärte, dass bei dem Angriff "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen worden sei - vor allem auf jene, die draußen saßen. Es könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob es "weitere Gefahrenmomente gibt". Er rief die Wiener Bevölkerung daher dazu auf, zu Hause zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Ludwig erklärte weiter, dass einer der Angreifer womöglich einen Sprengstoffgürtel getragen hat. Es gebe diese Vermutung, sagte er am Montagabend im ORF. "Wir werden bald mehr wissen, ob es sich um einen solchen Sprengstoffgürtel gehandelt hat", erklärte der Politiker.

Auf Videos, die der Privatsender "Oe24" am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant. Auf einem Video, das dem Magazin "Falter" vorliegt, soll zu sehen sein, wie ein Mann gegenüber der Synagoge wahllos in Lokale schießt. 

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. "Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren."

Die Polizei rief die Bürger dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. "Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet", hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, keine Videos oder Fotos hochzuladen. "KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!" Zudem gab die Polizei an, dass derzeit keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. "Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend", twitterte die Polizei der österreichischen Hauptstadt am Montagabend.

Großeinsatz der Polizei und leere Straßen 

Über der Wiener Innenstadt kreisten am späten Montagabend Hubschrauber, Polizeisirenen heulten durch die Nacht. Einsatzwagen rasten aus den Außenbezirken in Richtung Innenstadt, in der sich die laut Innenminister mutmaßliche Terrorattacke ereignet hatte. Im 1. Bezirk, der historischen Wiener Innenstadt, saßen Gäste in Lokalen und warteten darauf, dass die Polizei ihnen grünes Licht zum Verlassen gab. Um den Schwedenplatz, einer belebten Ausgehmeile an einem Verkehrsknotenpunkt am Donaukanal, in dessen Nähe die ersten Schüsse gefallen waren, waren die Straßen voller Blaulicht, weiträumig war der ganze Bezirk abgesperrt.

Unmittelbar nach den Schüssen war auf Videos zu sehen, wie Passanten in Panik durch die Fußgängerzonen rannten. Nach Angaben von Reportern hoben manche die Arme, um den Polizisten zu zeigen, dass sie unbewaffnet waren.

Deutsche und europäische Politiker bestürzt 

Deutsche Politiker haben bestürzt auf den mutmaßlichen Terroranschlag in der österreichischen Hauptstadt reagiert. Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans sprach am Montagabend auf Twitter von "erschütternden Nachrichten". "Was auch immer das Motiv und wer auch immer die Täter sein könnten. Solche Taten verdienen Ächtung, null Toleranz und die ganze Härte des Gesetzes." FDP-Chef Christian Lindner twitterte: "Unsere Gedanken sind in #Wien".

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, schrieb in einem Tweet: "Das ist einfach entsetzlich - mit den Gedanken in #Wien. Gemeinsam gegen Antisemitismus". Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), meldete sich ebenfalls über den Kurznachrichtendienst zu Wort: "Schreckliche Nachrichten aus #Wien. Bin mit den Gedanken bei den Bürgerinnen und Bürgern und Einsatzkräften vor Ort."

Das Auswärtige Amt hat den mutmaßlichen Terroranschlag in Wien verurteilt. "Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar ist: unsere Gedanken sind bei den Verletzten&Opfern in diesen schweren Stunden", heißt es in einer Nachricht, die am Montagabend vom deutschen Außenministerium auf Twitter veröffentlicht wurde. "Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Österreich sein Mitgefühl Wien ausgesprochen. Macron habe Österreichs Kanzler Sebastian Kurz am Montagabend volle Solidarität und Unterstützung Frankreichs zugesagt und Hilfe angeboten, falls diese notwendig sei, hieß es aus Kreisen des Präsidentenpalasts in Paris. Die Franzosen teilten den Schock und die Trauer der Österreicher, schrieb Macron außerdem auf Deutsch und Französisch auf Twitter. "Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa", so Macron weiter. "Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben."

EU-Ratspräsident Charles Michel hat die mutmaßliche Terrorattacke in der Wiener Innenstadt als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte verurteilt. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Menschen in Wien nach dem schrecklichen Anschlag von heute Abend", teilte Michel am Montag mit. Europa stehe an der Seite Österreichs.

Ähnlich äußerten sich auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, EU-Parlamentspräsident David Sassoli und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Sassoli kommentierte: "Mit Trauer und Entsetzen verfolgen wir die Nachrichten von einem erneuten Anschlag in Europa." Borrell sprach von einem "feigen Akt von Gewalt und Hass". Von der Leyen sicherte Österreich Solidarität zu und schrieb zudem: "Wir sind stärker als Hass und Terror."

Zum Thema