Vermischtes

Dänemark Kollision auf wichtiger Verbindungsbrücke / 16 Menschen verletzt / Sturm tobt während Unfall

Sechs Tote bei Bahnunglück

Archivartikel

Kopenhagen.Der Zug erscheint gestern Morgen vielen Reisenden als das sicherste Verkehrsmittel auf ihrem Weg Richtung Kopenhagen. Denn zu diesem Zeitpunkt zieht ein heftiger Sturm schon seit einigen Stunden über Dänemark hinweg. Der Fährverkehr ist eingeschränkt, die beiden großen Brücken des Landes sind für den Autoverkehr gesperrt. Doch der Zugverkehr an der Brücke über den Großen Belt (Storebælt) läuft normal. Bis etwa 7.30 Uhr.

Dann passiert etwas, das sechs Reisenden den Tod bringt: Der Zug macht eine Vollbremsung, Gepäck fliegt durch die Waggons, Fahrgäste werden zu Boden geworfen. „Plötzlich begann der Zug zu wackeln“, erzählt Augenzeuge Simon Voldsgaard Tøndering der Zeitung „Politiken“. „Ich habe aus dem Fenster geschaut und Funken an den Seiten des Zuges schlagen gesehen. Glasscherben sind auf uns zugeflogen, die Deckenplatten lösten sich. Und dann wurde alles schwarz.“

Etwas hat den Zug getroffen. Zunächst ist unklar, was es war. Der Zug fährt sogar noch ein Stück weiter, bis er mitten auf der Brücke zum Stehen kommt – mit 131 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern an Bord.

Güterzug verlor vermutlich Ladung

Die Havariekommission vermutet später, dass die Ladung eines entgegenkommenden Güterzuges das Unglück ausgelöst haben könnte. Der Zug der Bahn-Tochter DB Cargo transportierte Leergut. Die Waggons waren mit Bierkisten beladen und hatten teilweise Planen anstelle von festen Wänden.

„Auf einem der Güterwaggons befand sich ein leerer Lastwagenanhänger, der herunterfiel“, sagt Bo Haaning von der Havariekommission dem Dänischen Rundfunk. „Entweder hat er den Zug getroffen, oder der Zug ist hineingefahren.“ Er könne nicht sagen, ob der Anhänger den Unfall selbst verursacht hat oder ob der Zug auch von anderen Gegenständen getroffen wurde. Eine Aufarbeitung der Unglücksursache dürfte noch Wochen, möglicherweise Monate dauern.

Die Bilanz: Sechs Tote, 16 Menschen verletzt. Ob Ausländer unter den Opfern sind, kann eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur gestern noch nicht sagen. Die Nachrichtenagentur Ritzau berichtet, es handele sich um das schwerwiegendste Zugunglück in Dänemark seit 1988.

Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen reagiert betroffen auf das Unglück auf dem Großen Belt: „Ganz gewöhnliche Dänen, auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Heimreise von den Weihnachtsferien, haben ihr Leben verloren. Es ist zutiefst unglücklich.“

Die Folgen des Unglücks für den Verkehr sind enorm. Die 18 Kilometer lange Brücke verbindet die dänischen Inseln Fünen (Fyn) und Seeland (Sjælland) und ist damit einer der wichtigsten Verkehrswege Dänemarks. Der Zugverkehr ist für den Rest des Tages unterbrochen. Für den Autoverkehr wird die Brücke am Mittag wieder freigegeben.