Vermischtes

Segen für die Eltern

Die Zeiten für den Datengiganten Facebook sind mit dem Urteil des Bundesgerichtshofes zum digitalen Erbe noch ein bisschen rauer geworden. Schon seit längerem versuchen Staat, Gesellschaft und Nutzer, sich Schritt für Schritt das Internet zurückzuholen vom allwissenden sozialen Netzwerk.

Das Urteil ist diesbezüglich ein weiterer, nicht zu unterschätzender Baustein. Für die betroffenen Eltern muss das Urteil ein Segen sein, können sie doch endlich nach Antworten auf sie quälende Fragen suchen. Das Facebook-Konto der Tochter hat die Mutter geerbt. Damit hat der Bundesgerichtshof eine richtungsweisende Entscheidung getroffen. Nutzungsverträge wie Accounts, die mit Facebook und anderen Netzgiganten geschlossen werden, gehen nach dem Tod an Hinterbliebene über. So wie ein Haus, ein Auto oder Bargeld. Facebook ist gestern somit gezwungen worden, etwas von der virtuellen Welt, die ja weitestgehend von Konzernseite bestimmt wird, an die reale anzupassen. Das ist menschlich und moralisch richtig. Schließlich hätte auch niemand die Eltern des verstorbenen Mädchens daran hindern können, im Tagebuch ihrer Tochter zu lesen.

Das Urteil legt indirekt auch den Finger in eine politische Wunde: Denn es gibt natürlich einen rechtlichen Missstand, der darin besteht, dass die meisten Gesetze nur mit Mühe auf die Netzwelt übertragbar sind. Das Urteil ist wie eine Aufforderung, im digitalen Leben besser vorher zu regeln, was nach dem Tod von einem bleiben soll.